Wiener Brut
Manchmal ist freies Theater in Wien ein ausgesprochen kulinarisches Vergnügen. Spielort für die jüngste Produktion der Gruppe Toxic Dreams ist das schicke Restaurant «Schon Schön» im 7. Bezirk. 20 Besucher sitzen an einer großen Tafel und kommen gegen eine freiwillige Spende (es gilt das Prinzip «Pay as you wish») in den Genuss eines siebengängigen Menüs. Zwischen den Gängen unterhält sich der Regisseur Yosi Wanunu (der Leiter von Toxic Dreams) mit der Schauspielerin Anna Mendelssohn (in einer fast stummen Rolle) über Theater.
Genauer gesagt: darüber, wie er zum Theater gekommen ist.
Der Israeli Wanunu stand schon als Kind regelmäßig auf der Bühne («Für all die Holocauststücke brauchte man viele Kinderdarsteller»), auch seinen Militärdienst leistete er als Schauspieler ab. Wanunu war zum Fronttheater abkommandiert, und dass er dabei nicht selten vor selig schlummernden Soldaten auftrat, hat seine spätere Karriere entscheidend geprägt: «Das Wichtigste ist, dass die Leute nicht einschlafen!»
Der 46-jährige Wanunu ist der Entertainer unter Wiens experimentellen Theatermachern. Seine Produktionen sind intelligent konzipiert und smart umgesetzt, und sie sind immer auch unterhaltsam. ...
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