Wie wollen wir leben?

Ob Theatermacherin oder -kritiker: Man kann gar nicht früh genug damit anfangen zu zeigen, was man kann und sagen will. Das Hamburger Festival «Körber Studio Junge Regie» lud zum vierten Mal zeh Diplominszenierungen von Regie- und Schauspielschulen ins Thalia in der Gaußstraße. Stephan Schwarz, der zusammen mit anderen angehenden Kritikern und Kulturjournalisten das Festival begeitet hat, zieht ein Resümé

Theater heute - Logo

Unweit vom Herzen Altonas, wo Ende März mit einem Schlag die Draußensitzer in den Cafés das Straßenbild erobern, liegt die Studiobühne des Thalia Thea­ters. Hier, in der Gaußstraße, werden die kleineren Produktionen gezeigt, Inszenierungen, die mit wenigen Mitteln auskommen müssen, weil der Platz für großen Aufwand fehlt. Das karge Ambiente mit dem rohen Erscheinungsbild, Beton in seiner unverfälschten Form, ist eine Herausforderung für jeden Regisseur.

Doch gerade seiner Neutralität wegen ist dieser Ort besonders geeignet für eine Leistungsschau wie das «Körber Studio Junge Regie», das in diesem Jahr bereits zum vierten Mal stattgefunden hat.

Arbeiten von Regisseuren, die so jung sind, dass ihre Regie­erfahrung kaum über den wohlbehüteten Raum regieschuleigener Spielstätten hinausgelangt sind, werden hier gezeigt: Sie alle sind noch in der Ausbildung oder haben soeben ihr Regiestu­dium an einer deutschsprachigen Hochschule abgeschlossen. Beim Festival, das die in Hamburg ansässige Körber Stiftung zusammen mit der Universität Hamburg ins Leben gerufen hat, sind Studienprojekte, darunter auch Abschlussarbeiten, zu sehen. Dieses Mal waren es zehn Produktionen.

«Frauen an die Macht» ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2007
Rubrik: Theater Morgen, Seite 20
von Stephan Schwarz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Im Theater ist die Wirklichkeit am geilsten

Ich will ein Feuerwerk, kein ängstliches Gepiepse! Und zweihundert Prozent Disziplin!», ruft der Musiklehrer Aaron Gra­hovac, und in den überfüllten Probenraum der Berliner Bettina-von-Armin-Oberschule im Märkischen Viertel zieht ein Hauch von Dieter Bohlen ein. «Wer das nicht schafft, der kann jetzt noch gehen!» Alles schweigt und schaut den schwarz gekleideten...

Das Leiden am Ich

In Hessen ist «Don Karlos» Zentral­abiturstoff. Deshalb muss man seinen Theaterabend, nicht nur in Kassel, mit zwangsversendeten Deutschkursen tei­len. Pubertär pikiert zischen die Schüler­abordnungen, wenn ein Mann einen Mann auf den Mund küsst oder ein Schauspieler gar die Hosen runter­lässt. Und nehmen die Schillersche Gedankenfreiheit ganz wörtlich – klares...

Versöhnlicher Phantomschmerz

Die gute alte Ost-Platte hat in letzter Zeit viel üble Nachrede, Leerstand und Totalabriss erdulden müssen, da kommt etwas Trost zur rech­ten Zeit. Der genialische Jungarchitekt Holm zieht freiwillig in eins der dünnwandigen Fertigbau­module und gewinnt der mangelnden Geräuschdämmung ungeahnte zwischenmenschliche Qualitäten ab: «Muss man sich halt mal anstrengen,...