Im Theater ist die Wirklichkeit am geilsten

Zukunftsvergessenheit kann man dem deutschen Theater nicht vorwerfen. Eventuelle künftige Akteure schnuppern erste Theaterluft in den Schulen im «Darstellenden Spiel», jetzt auch Abiturfach. Das Junge Schauspielhaus in Hamburg trainiert künftige Abonnenten in der Zuschaukunst und ist dabei viel erfolgreicher als das Mutterhaus, und im Thalia Theater in der Gaußstraße war schon zum vierten Mal das «Körber Studio Junge Regie» zu Gast mit Diplom­inszenierungen von Regie- und Schau­spiel­schulen. Volle Kraft voraus!

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Ich will ein Feuerwerk, kein ängstliches Gepiepse! Und zweihundert Prozent Disziplin!», ruft der Musiklehrer Aaron Gra­hovac, und in den überfüllten Probenraum der Berliner Bettina-von-Armin-Oberschule im Märkischen Viertel zieht ein Hauch von Dieter Bohlen ein. «Wer das nicht schafft, der kann jetzt noch gehen!» Alles schweigt und schaut den schwarz gekleideten jungen Lehrer mit dem piratenmäßig um die wuchernden Locken gebundenen Kopftuch an, der mit forderndem Blick und gespannter Körperhaltung vor ihnen steht. Natürlich geht keiner. «O.K.

!», sagt Grahovac nach einer Weile eisigen Schweigens. «Ich nehme das jetzt ernst», und startet seinen Laptop mit dem Soundtrack der neuen Musiktheaterproduktion der Schule «Liebe auf der Flucht», der später natürlich vom Schulorchester gespielt werden soll. Doch zuerst müssen die Sänger fit gemacht werden.

Kaum beginnt die Musik, eine Mischung aus Jazz- und Avantgarderock, verwandelt sich die eben noch betreten dreinblickende Schülerschar in ein hochkonzentriertes Ensemble. Die Körper wippen im Pulsschlag der Musik. Wer dran ist, steht auf und singt: solo, im Duett, als Trio oder Quartett. Die Liedtexte schildern kurze Episoden aus dem Leben, ...

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Theater heute Juni 2007
Rubrik: Theater Morgen, Seite 4
von Esther Slevogt

Vergriffen
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