Frostiges Versprechen
Die Zukunft ist Geschichte» lautet der Titel einer epochalen Studie der russischamerikanischen Essayistin Masha Gessen. Das Buch reist zurück in die Gorbatschow-Ära, als das steinerne Gemäuer der Sowjetunion zaghaft zu bröckeln begann und sich ein Spalt zur Zukunft jenseits der sozialistischen Diktatur öffnete. Es schildert von dort aus, wie sich das Morgen in den Jelzin-Jahren ein wenig weiter öffnete und sich unter Putin peu à peu wieder schloss.
Mit der Okkupation der ukrainischen Krim 2014 endet das Buch, und wir wissen, dass die Zukunft seither fester denn je versiegelt ist.
Gessens Buch schildert den sowjetischen Menschen in seiner spezifischen Untertanen-Disposition, als «Homo sovieticus», der dem Staat vereinzelt und praktisch schutzlos gegenübersteht, ohne zivilgesellschaftliche Rückendeckung. Der Mantel des «Homo sovieticus» wurde weder mit Gorbatschow noch mit Jelzin abgestreift, weshalb das diktatorische Revival unter Putin auch so problemlos gelingen konnte.
Das Maxim Gorki Theater gibt nicht von ungefähr einen Hinweis auf Masha Gessens Werk in seinem Programmzettel zur Uraufführung von «Zukunftsmusik» von Katja Poladjan bei. Poladjans Buch liest sich geradezu wie das ...
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Theater heute März 2026
Rubrik: Aufführungen, Seite 12
von Christian Rakow
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Nein, Aaron ist kein toxischer Mann, der vom moralischen Bühnen-Hochsitz aus in Grund und Boden kritisiert werden müsste. Kein Richard III. oder schlimmer, niemand, den man dringend umerziehen sollte zum besseren Menschen, und übrigens auch keiner, der transgenerationale Traumata mit sich herumschleppt oder andere stark belastende Zivilisationsschäden – sondern das...
«Je mehr wir uns wie Voyeure fühlen, desto besser», stellt der US-Dramatiker Matthew López seinem bereits 2015 in Hartford, Connecticut, prämierten Stück «Reverberation» voran. Auf die Europapremiere 2025 in Bristol folgt nun die deutschsprachige Erstaufführung am Luzerner Theater (in der Übersetzung von Hannes Becker: «Resonanzen»). López, im deutschsprachigen...
