Wie weit reicht Verantwortung?
Endlich erhält in den letzten Jahren die Frage, wie Menschen mit Behinderungen in den Theatern sichtbar werden und aktiv vorkommen können, zunehmend die dringend gebotene Aufmerksamkeit im deutschsprachigen Diskurs. Gleichzeitig gibt es bisher noch immer wenige dramatische Texte, die sich mit dem Komplex Inklusion auseinandersetzen.
Der 1987 in Bochum gebore -ne Autor Matthias van den Höfel hat mit seinem 2023 mit dem Münchner Förderpreis für neue Dramatik ausgezeichneten Text «Drinnen» nun ein Debütstück vorgelegt, das einfühlsam und zugänglich die Herausforderungen porträtiert, denen die Familie des schwer behinderten und pflegebedürftigen David sich gegenübersieht.
Im Zentrum steht eine Figur, die gänzlich von der Sorge, der Pflege, der Verantwortlichkeit anderer abhängig ist. Eine Figur, die in van den Höfels Fiktion für ihre Umwelt wie auch für das Theater eine große Herausforderung darstellt, denn David kann nicht sprechen.
David ist 35 und lebt mit einer schweren, nicht konkret beschriebenen Behinderung bei seiner Mutter Regina. Täglich ist er auf die Betreuung der beiden Pflegekräfte Olli und Lena angewiesen. Sein Vater hat die Familie vor Langem verlassen, der Kontakt ...
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Theater heute Jahrbuch 2024
Rubrik: Neue Stücke, Seite 160
von Tobias Schuster
Am 4. Juni dieses Jahres erließ US-Präsident Biden mit Blick auf die Grenze zu Mexiko per Dekret Einschränkungen des Asylrechts. Die Regelung einer willkürlich gesetzten erlaubten Höchstzahl von Migrant:innen ohne Papiere trat am Folgetag eine Minute nach Mitternacht in Kraft. Es ist Wahlkampf. Die «build-that-wall»-Sprechchöre der Anhänger:innen seines Vorgängers...
Vielleicht liegt es an der Dichte der Theaterwände, die für Schallschutz sorgt. Dass Ereignisse von außen nicht hereindringen. Dass weder die Menschen darin noch die Institutionen als solche erreicht werden. Dass das zarte Zischen einer Kerze, zertreten von einem Stiefel, nicht gehört wird. (Aber natürlich nicht; zu weit weg, zu klein, zu schnell). Auch nicht das...
Vor elf Jahren übernahm Karin Beier ein Theater, das am Boden lag. Das Deutsche Schauspielhaus Hamburg, das größte Sprechtheater des Landes, war von Friedrich Schirmer in die künstlerische Irrelevanz gesteuert worden, und nachdem Schirmer 2010 überraschend als Intendant zurückgetreten war, verwaltete eine kollektive Intendanz unter Leitung des Dramaturgen Florian...
