Wie weit reicht Verantwortung?
Endlich erhält in den letzten Jahren die Frage, wie Menschen mit Behinderungen in den Theatern sichtbar werden und aktiv vorkommen können, zunehmend die dringend gebotene Aufmerksamkeit im deutschsprachigen Diskurs. Gleichzeitig gibt es bisher noch immer wenige dramatische Texte, die sich mit dem Komplex Inklusion auseinandersetzen.
Der 1987 in Bochum gebore -ne Autor Matthias van den Höfel hat mit seinem 2023 mit dem Münchner Förderpreis für neue Dramatik ausgezeichneten Text «Drinnen» nun ein Debütstück vorgelegt, das einfühlsam und zugänglich die Herausforderungen porträtiert, denen die Familie des schwer behinderten und pflegebedürftigen David sich gegenübersieht.
Im Zentrum steht eine Figur, die gänzlich von der Sorge, der Pflege, der Verantwortlichkeit anderer abhängig ist. Eine Figur, die in van den Höfels Fiktion für ihre Umwelt wie auch für das Theater eine große Herausforderung darstellt, denn David kann nicht sprechen.
David ist 35 und lebt mit einer schweren, nicht konkret beschriebenen Behinderung bei seiner Mutter Regina. Täglich ist er auf die Betreuung der beiden Pflegekräfte Olli und Lena angewiesen. Sein Vater hat die Familie vor Langem verlassen, der Kontakt ...
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Theater heute Jahrbuch 2024
Rubrik: Neue Stücke, Seite 160
von Tobias Schuster
Theater heute
Die Theaterzeitschrift im 65. Jahrgang Gegründet von Erhard Friedrich und Henning Rischbieter
Herausgeber
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
Redaktion
Eva Behrendt Franz Wille (V.i.S.d.P.)
Redaktionsbüro
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Gestaltung
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Redaktionsanschrift
Karl-Heinrich-Ulrichs-Straße 24, 10785 Berlin, Telefon 030/25 44 95 10, Fax 030/25...
Vor elf Jahren übernahm Karin Beier ein Theater, das am Boden lag. Das Deutsche Schauspielhaus Hamburg, das größte Sprechtheater des Landes, war von Friedrich Schirmer in die künstlerische Irrelevanz gesteuert worden, und nachdem Schirmer 2010 überraschend als Intendant zurückgetreten war, verwaltete eine kollektive Intendanz unter Leitung des Dramaturgen Florian...
Sie ist schon da, als sich die Türen des Zuschauerraums öffnen. Sie streift, während das Publikum jetzt langsam hereinkommt, an der Rückwand des leeren Bühnenhauses entlang, sie streift hin und her, kaum zu erkennen im Halbdunkel, scheinbar ruhelos – und doch hochkonzentriert. An den hohen Wänden verlaufene schwarz-graue Tusche, irgendwo auf der Bühne ein Haufen...
