Wie? Wat? Vivat!
Schlafsacklarven säumen die Mönckebergstraße zwischen Hauptbahnhof und Thalia Theater. Verschanzt hinter Plastiktüten und Bierflaschen liegen sie in den verschlossenen Eingängen zu Zara und Vattenfall und erinnern die Sonntagsspaziergänger daran, dass nicht jeder auf dieselbe Weise in der Shoppingwelt ankommt. Kurz darauf im Theater: alles voller Schlafsacklarven. Bunt und outdoorshopfrisch.
Katrin Brack hat für Georg Büchners «Leonce und Lena» gleich 50 Stück auf die Thalia-Bühne geschafft und dort, mit Statisten oder Attrappen gefüllt, um der Sichtbarkeit willen auf schiefer Ebene aufgebahrt: Sie sind das Volk, wie König Peter (Peter Jordan) verkündet, durch das ein «Ruck» gehen soll. Doch die Säcke ruhen sanft.
Auch sonst scheut Regisseur Dimiter Gotscheff keine Deutlichkeit, um durch Büchners als romantische Liebeskomödie getarnte Sozialfarce ein höhnisches Fanal auf die Konsum- und Klassengesellschaft zu blasen. Königs-sohn Leonce ist mit Rockstarjeans, Seidenhemd und fast zu gut lesbarem Dolce & Gabbana-Logo auf dem Unterhosenbund auf den ersten Blick als Superschnösel aus Elbchausseehaushalt erkennbar. Ole Lagerpusch rackert sich zwar an seinem gesichtslosen Schönling mit ...
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Vor knapp zehn Jahren erschien das «Postdramatische Theater» von Hans-Thies Lehmann und wurde in kurzer Zeit zum Standardwerk. Bis heute haben einige Studentengenerationen ihr theaterwissenschaftliches Studium mit diesem Buch begonnen und zum Teil auch beendet. Der Reiz des Titels, der zum Schlagwort einer ästhetischen Position geworden ist, ist offensichtlich. Das...
Die mitreißendste Vorschau der neuen Saison kommt aus Zürich. Dort macht man nicht viele Worte – die folgen auf der Bühne später sowieso –, sondern brüllt aus vollem Bollywood-Löwenherzen.
Die Spielzeit ist eröffnet mit einem donnernden Rooooooaaaaaaar!!!! und kräftigen Tatzenhieb vom Schauspielhaus und seinem indischen Plakatmaler V. Jeevananthan!
