Wie geht Stille auf der Bühne?
Am Schluss darf sie endlich reden, allein – ein Moment der Klarheit aus der Distanz oder gar Isolation, denn zumindest auf der Bühne hört ihr da keiner mehr zu. Davor macht Heinrich von Kleists aberwitziges Enthüllungsdrama vom Beginn des 19.
Jahrhunderts in anderthalb Stunden voll turbulenter Komik und unterschwelliger Gewalt die Me-Too-Debatte von heute beinahe zu einem Déjà-vu: Ein Amtsträger, der seine Macht missbraucht, sein Opfer erst durch Versprechungen anlockt, mit Drohungen erpresst und schließlich wohl gewaltsam nötigt … «Der zerbrochne Krug» hat das längst alles in seine hellsichtig schonungslose Logik gepackt.
Anne Stein spielt Eve Rull, die eigentlich Geschädigte in Kleists Lustspiel, mit einer scheuen Kraft und Konzentration von innen heraus und zugleich, als beobachte sie sich selbst von außen. Während Pascal Fligg als Dorfrichter Adam sich, anfangs tollpatschig und dann zunehmend gefährlich, in den Netzen seiner ehrgeizigen Jäger verheddert, bleibt sie wie unbeteiligt bei sich, steht abseits oder legt sich schon mal unter den Verhandlungstisch. Und doch spürt man jeden Augenblick ihre Verletzung und den Druck, der sie zum Schweigen bringt.
Regisseur Mathias Spaan ...
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Theater heute April 2025
Rubrik: Akteure, Seite 28
von Silvia Stammen
Das Theater ist ein utopischer Ort. Gelangen wir also mit dem Theater zu Utopien und finden einen Ausweg aus den Katastrophen?
Das Theater wird uns sicher nicht aus der aktuellen politischen Situation und der Pandemie der Krisen heraushelfen. Wir müssen mit den Schlachten, die auf den politischen Bühnen der letzten Monate stattgefunden haben, einem Rechtsruck,...
Auch, wenn es der Titel erst mal nicht vermuten lässt: In «Das Licht», Tom Tykwers Eröffnungsfilm der diesjährigen Berlinale, lauert de facto die Apokalypse – und zwar direkt vor der Büro-Tür: Kein Tag, an dem Lars Eidinger als High Performer einer Werbeagentur, der seine Kampagnen gern mit den Abendbrottisch-O-Tönen seiner Fridays-for-Future-Tochter...
Da stehen diese sieben Vibrationsplatten. Schwarze, knöchelhohe Geräte, deren Oberfläche per Knopfdruck auf der Fernbedienung anfängt zu wackeln. Zu Beginn gibt es Wackelpudding bei Familie Wingfield – und das rote Glibberzeug steht also auf dieser Platte und zuckt ekstatisch hin und her. Ein netter Gag, könnte man denken. Aber was sich Regisseurin Jaz...
