Die Pein der Puppe

Die Ordnungsmacht: Annette Paulmann, die älteste der «Drei Schwestern» an den Münchner Kammerspielen

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Alle sind sprachlos, bis auf eine. Der erste Akt gehört ihr, Olga, der ältesten der «Drei Schwestern», der Ordnungsmacht. Annette Paulmann macht sich die Stimmen der anderen zu eigen, geht mit deren Texten fremd, begeht Mundraub an Mascha und Irina, kauft dem Offizierscorps, das im elternlosen Haus Prosorow verkehrt, den verbalen Schneid ab.

Einst Jürgen Flimms Sascha in «Platonov», Sonja in «Onkel Wanja» und «Schwester» Mascha am Thalia Theater in den Jahren von 1989 bis 2000, einst auch Robert Wilsons Fantasie-Reisende in Sagenwelten und Kindheitsschrecken, ist die 43-Jährige bei Andreas Kriegenburg als Regimentstochter eine quicke, couragierte Aufrührerin im bleichen Weiß einer Gesellschaft der übertünchten Greise. 
 

«Ich erinnere mich an alles», projiziert auf den Vorhang der Münchner Kammerspiele, schreibt als Motto die nahezu mythische Tortur dieser Olga vor, die wie eine Beckett-Figur das Band der Familien- und Schwesterngeschichte abspult. Im Solo-Sermon ihres nach außen gelenkten Bewusstseinstroms werden Zitate, Repliken, Floskeln, Regieanweisungen herausgewaschen. Jedes Wort dieser kuriosen Sprechstunde des Schmerzes ist durchgekaut, endlos repetiert – Litanei und ...

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Theater heute Jahrbuch 2007
Rubrik: Spieler des Jahres, Seite 72
von Andreas Wilink

Vergriffen
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