Wie ein Mixtape

Guido Wertheimer «Die realen Geister» (U), Lisa Wentz «Azur oder die Farbe von Wasser» (U) am Schauspielhaus Wien

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Das Drama der Gegenwart hat einen Hang zur antiken Tragödie. Bei Elfriede Jelinek laufen die alten Griechen im Hintergrund fast immer mit, auch Thomas Köck und Roland Schimmelpfennig arbeiteten sich zuletzt am einschlägigen Kanon ab. Und auch der Jungdramatiker Guido Wertheimer (Jg.

1996) bedient sich in seinem Stück «Die realen Geister» aus dem Fundus der altgriechischen Mythologie: Der Held des Dramas heißt Jason wie der Anführer der Argonauten, der aus Kolchis das goldene Vließ (und die Königstochter Medea) entführt; als eine Art Schutzengel steht ihm die griechische Göttin Hera zur Seite.

Das Stück entstand 2024 im Rahmen des vom Schauspielhaus alljährlich veranstalteten Hans-Gratzer-Stipendiums und wurde dort mit dem Hans-Gratzer-Preis ausgezeichnet, der mit einer Uraufführung am Haus verbunden ist. Der in Buenos Aires geborene Wertheimer stammt aus einer jüdisch-deutschen Familie; seine Groß -eltern sind nach Südamerika emigriert. Jason ist ein Stellvertreter des Autors, und er ist nicht auf der Suche nach einem goldenen Widderfell, sondern nach seiner Identität als Jude und Angehöriger der «dritten Generation», der Enkelkinder von Holocaustüberlebenden.

In der ...

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Theater heute März 2025
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Wolfgang Kralicek

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