Von Hexen und Feen
Am Ende lösen sich die Konturen der drei «Staubfrauen» auf in einer schier endlosen Liste von gewaltsam getö -teten Frauen. Manchmal drei oder vier pro Monat, allein in der Schweiz. Im Video fließen die Namen der Frauen über die an die Wand gekauerten Darstellerinnen, die Alter, die sie erreicht haben, die Schweizer Dörfer und Städte, in denen sie gelebt haben. Femizid: ein Strom, der nie versiegt. Maria Milisavljevic macht das Fließen, das Sich ineinander Auf -lösen zur poetischen Metapher ihres Zürcher Auftragswerks, das die Gewalt an Frauen zum Thema hat.
Therese zum Beispiel, Omas Kinderfreundin, die nach einem Dorffest – der Fritz hatte zehn Biere gekippt – verschwunden ist. Im Fluss, für immer. Nur ihre Kette ist noch da, die der Fritz ihr geschossen hat und die die Oma fortan für immer verwahrt. Der Fluss, die Kette – wie deutlich spricht das alles. Es ist Milisavljevics offener Textkomposition und Anna Stiepanis engagierter, aber zurückhaltender Regiekunst zu verdanken, dass der Abend bei aller Nachdrücklichkeit zum bewegenden Kammerspiel wird. Auch was die Repräsentation von Gewalt angeht, bleibt der Text beim Symbol. In der intimen Schiffbau-Matchbox mit rund 60 ...
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Theater heute März 2025
Rubrik: Aufführungen, Seite 13
von Andreas Klaeui
Das Drama der Gegenwart hat einen Hang zur antiken Tragödie. Bei Elfriede Jelinek laufen die alten Griechen im Hintergrund fast immer mit, auch Thomas Köck und Roland Schimmelpfennig arbeiteten sich zuletzt am einschlägigen Kanon ab. Und auch der Jungdramatiker Guido Wertheimer (Jg. 1996) bedient sich in seinem Stück «Die realen Geister» aus dem Fundus der...
Wo trifft man Sandra Gerling? Außerhalb des Hamburger Schauspielhauses, an dem sie seit der Spielzeit 2018/19 engagiert ist? Am liebsten irgendwo draußen, schlägt sie vor. Im Wald, zum Beispiel, im Park, am See oder auf dem Wasser. «Wenn jetzt Frühjahr oder Sommer wäre, würde ich sagen, wir kajaken», hatte sie geschrieben. Und: «Die Natur ist ein Ort, wo ich...
Von allen Bühnen der Welt ist die des Gedächtnisses wohl die komplexeste. Ein ewiges Drama aus Fakten, Gefühlen und vergessenen Proben, in dem Erinnerung die Hauptrolle spielt – manchmal tragisch, oft komisch, immer subjektiv. Doch wie unterscheidet sich die nüchterne Regie des Gedächtnisses von der leidenschaftlichen Impro -visation der Erinnerung? Und was hat...
