Von Hexen und Feen
Am Ende lösen sich die Konturen der drei «Staubfrauen» auf in einer schier endlosen Liste von gewaltsam getö -teten Frauen. Manchmal drei oder vier pro Monat, allein in der Schweiz. Im Video fließen die Namen der Frauen über die an die Wand gekauerten Darstellerinnen, die Alter, die sie erreicht haben, die Schweizer Dörfer und Städte, in denen sie gelebt haben. Femizid: ein Strom, der nie versiegt. Maria Milisavljevic macht das Fließen, das Sich ineinander Auf -lösen zur poetischen Metapher ihres Zürcher Auftragswerks, das die Gewalt an Frauen zum Thema hat.
Therese zum Beispiel, Omas Kinderfreundin, die nach einem Dorffest – der Fritz hatte zehn Biere gekippt – verschwunden ist. Im Fluss, für immer. Nur ihre Kette ist noch da, die der Fritz ihr geschossen hat und die die Oma fortan für immer verwahrt. Der Fluss, die Kette – wie deutlich spricht das alles. Es ist Milisavljevics offener Textkomposition und Anna Stiepanis engagierter, aber zurückhaltender Regiekunst zu verdanken, dass der Abend bei aller Nachdrücklichkeit zum bewegenden Kammerspiel wird. Auch was die Repräsentation von Gewalt angeht, bleibt der Text beim Symbol. In der intimen Schiffbau-Matchbox mit rund 60 ...
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Theater heute März 2025
Rubrik: Aufführungen, Seite 13
von Andreas Klaeui
Alles ist verbrannt. Alles Asche. Das habe ich schon vorausgesehen.» Hat sie tatsächlich. Wer die Bilder der brennenden Vororte von Los Angeles gesehen hat, die abgefackelte Traumvilla der Hotelkettenerbin in Malibu oder die verkohlten Prunkresidenzen von Pacific Palisades, aber auch das ganz normale Suburbia von Altadena, Straßenzüge um Straßenzüge in Schutt und...
Das Drama der Gegenwart hat einen Hang zur antiken Tragödie. Bei Elfriede Jelinek laufen die alten Griechen im Hintergrund fast immer mit, auch Thomas Köck und Roland Schimmelpfennig arbeiteten sich zuletzt am einschlägigen Kanon ab. Und auch der Jungdramatiker Guido Wertheimer (Jg. 1996) bedient sich in seinem Stück «Die realen Geister» aus dem Fundus der...
No hay plata – Es ist kein Geld da»: Wenn der Graf von Kent das in Christopher Marlowes «Edward II.» zum König sagt, bricht das Publikum im Theater San Martín in Buenos Aires in Gelächter aus. «No hay plata»: Das ist das Mantra von Javier Milei, dem «Anarchokapitalisten», der seit einem Jahr in Argentinien an der Staatsspitze steht und diesen am liebsten gleich...
