Auf der schiefen Bahn
Die Wunde Dresden» hatte Volker Lösch einst die Erinnerung an die Bombenangriffe vom 13. Februar 1945 genannt, in der Verbände der Royal Air Force mit Flächenbombardements große Teile der Dresdner Innenstadt zerstörten. Über die Opferzahlen wird seitdem regelmäßig gestritten und die rechtsradikalen Kräfte haben spätestens seit 1990 versucht, das Gedenken für sich zu vereinnahmen. Stadt und Land tun sich dabei traditionell schwer, Maß und Mitte zu finden, und so bleibt dieser 13. Februar, wie Lösch diagnostizierte, eine offene Wunde.
Was wiederum für das Staatsschauspiel bedeutet, in regelmäßigen Abständen an dieser Wunde herumzudoktern, um den aktuellen Zustand in Erfahrung zu bringen.
Anlass dazu ist nicht nur das 80. Gedenkjahr sondern auch der biografische Roman «Der Komet» von Durs Grünbein, der darin auf 282 Seiten sprachgewaltig und haltungsstark das Leben seiner Großmutter Dora literarisch verar -beitet. «Erinnerung ist kein Kuchen, den man in Ruhe backen kann», heißt es im Stück gleich am Anfang, und genau aus dieser Unruhe, diesem Leben auf der schiefen Bahn der Geschich -te, zieht die Inszenierung in Dresden ihre Kraft. Grünbein erzählt von Dora, die als armes ...
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Theater heute März 2025
Rubrik: Aufführungen, Seite 26
von Torben Ibs
Long time ago. Es gab sie mal, die Zeiten, in denen Kritiker die heiligen Theaterhallen (in denen sogar im Parkett noch kräftig geraucht wurde) mit dem Gestus von Fürsten betraten, ihre Garderobe gleich am Eingang abgenommen bekamen, ihre Texte gut alkoho -lisiert Sekretär:innen in die Schreibmaschinentasten diktierten und mehr als auskömmlich von ihrer Arbeit...
Kurz vor Schluss versuchen beide Berliner Inszenierungen noch etwas rumzureißen. In Georges Bizets «Carmen» in der Regie von Christian Weise wendet sich Lindy Larssons stolze Romni, gerade noch vor die Wahl gestellt, ihr freies Leben aufzugeben oder erstochen zu werden, direkt ans Publikum und ermutigt es mit Erfolg, selbst das Lied des Toreros Escamillo...
Shakespeares Königsdramen mögen nicht gerade auf die Analyse demokratischer Systeme ausgelegt sein, aber sie zeigen sehr genau die Verwerfungen an den Bruchkanten der Macht, da, wo es knirscht, wenn nicht von vorneherein feststeht, welche räuberische Strategie aufgeht und welche illegitime Linie sich fort- und festsetzt. Kein schlechtes Modell also doch, um sich...
