Widerstand der Einzel-Ichs
Ein Schwarzer Block rettet der Demokratie den Arsch», heißt es im vierten Akt. Wie jetzt, die vermummten Mollischmeißer und notorischen Störer friedlicher linker Demos haben nicht einfach nur Bock auf Gewalt, sondern eine echte politische Mission? Bevor Kevin Rittbergers große Antifaschismus-Recherche «Schwarzer Block» im letzten Teil unter der Überschrift «Sieg» die ziemlich bunt gewordenen Autonomen feiert, zeichnet sie schon ein differenziertes Bild der Linksradikalen, das die gängigen, deshalb aber nicht unbegründeten Ressentiments tüchtig ins Wanken bringt.
Rittberger geht zurück in die Weimarer Republik, versammelt Stimmen prominenter Antifaschistinnen und Anarchisten, springt ins Frankfurt der 1980er Jahre, als ein Wasserwerfer über Günther Sare rollt, befragt kritisch die Rolle der Polizei, aber auch das eigene Verhältnis zur Gewalt und landet immer wieder beim rechtsradikalen NSU-Terror, bei den Anschlägen in Halle oder Hanau: eine dramatische Stimmensammlung auf über 80 Seiten.
Im Gorki trifft die Materialflut auf ein Ensemble, das schon rein körperlich alles potenziell Martialische dekonstruiert – und gleichzeitig seltsam ungreifbar bleibt. Denn das 14 Spieler*innen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute November 2020
Rubrik: Das Stück, Seite 46
von Eva Behrendt
Film war für ihn das verlockendere schauspielerische Medium, aber zwanzig Jahre Theaterarbeit dienten ihm als unschätzbare Lehre für seinen künstlerischen Anspruch, «Menschen in außergewöhnlichen, extremen emotionalen Situationen» zu verkörpern. Michael Gwisdek, der im September dieses Jahres verstorbene, mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Schauspieler, wurde...
Im Laufe der Jahre hatten wir bei Forced Entertainment das Glück, mit vielen großartigen Kuratoren und Programmgestaltern zusammenzuarbeiten, aber Fries temperamentvolle Liebe für den hohen politischen und ethischen Ernst der Kunst und ihre damit einhergehende Sensibilität für ihre menschlichen, emotionalen und schelmischen Fähigkeiten haben sie immer einzigartig...
Selten so einen muffeligen Dorfrichter Adam gesehen: keine Pirouetten auf der spiegelglatten Glatze, kein Brandauer-artiges heiteres Pointenschnappen, kein Großkomödianten-Rüsseln im Rollenfuttertrog. Werner Wölbern hat sich sogar die legendäre Glatze versagt, jenes untrügliche Dorfrichter-Signal für den bei Kleist im Grunde keineswegs unsympathischen Schwerenöter,...
