Die Überflüssigen
Das britische Theater liegt immer noch brach. Seit inzwischen fast acht Monaten. Abgesehen von einer Handvoll sommerlicher Outdoor-Produktionen, Solo-Abenden und Mini-Projekten lief und läuft nichts, im Westend flattern verwitterte Poster der Stücke vom März.
Nach Regierungsankündigung eines finanziellen Kultur-Rettungspakets im Juli – ohnehin schon drei Monate zu spät – hatte man für kurze Zeit hoffnungsvoll aufgeatmet.
Bis sich im Kleingedruckten rausstellte, dass sich jede Institution in Konkurrenz zu anderen dafür bewerben müsse und das Geld sage und schreibe erst vier Monate danach, nämlich Anfang Oktober, ausgezahlt würde. Diese lang erwartete und viel zu späte Finanzspritze verzögert sich unfassbarerweise jetzt wiederum – «wegen der Komplexität und dem Volumen der Anträge». Auf diese Nachricht hin leuchteten Spielstätten auf der Insel von der Glasgow Royal Concert Hall zur Royal Shakespeare Company ein Mal mehr in Rot, um an ihren fatalen finanziellen Notstand zu erinnern.
Theatermacher sind nicht nur wütend und verzweifelt, weil das Geld für den von Corona am härtesten getroffenen Sektor so oder so nicht rechtzeitig kommt – in den letzten Wochen wurde als Vorbereitung auf ...
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Theater heute November 2020
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Patricia Benecke
Ein Schwarzer Block rettet der Demokratie den Arsch», heißt es im vierten Akt. Wie jetzt, die vermummten Mollischmeißer und notorischen Störer friedlicher linker Demos haben nicht einfach nur Bock auf Gewalt, sondern eine echte politische Mission? Bevor Kevin Rittbergers große Antifaschismus-Recherche «Schwarzer Block» im letzten Teil unter der Überschrift «Sieg»...
Roberto Blanco und Billy Mo, Boney M. und Tic Tac Toe: Schwarze Musiker*innen haben deutsche Kulturgeschichte geschrieben – auch wenn das im öffentlichen Bewusstsein nicht präsent ist. Um diesen Teil unserer Geschichte ins kollektive Gedächtnis zu rufen, wurde im August in Frankfurt ein neues, temporäres Museum eröffnet: das «Deutsche Museum für Schwarze...
Wir müssen uns Harpagon als unglücklichen Menschen vorstellen. Zumindest so, wie Jens Harzer ihn spielt: missgünstig, ängstlich, ungepflegt. Der Titelheld aus Molières «Der Geizige» ist ein schmerbäuchiger alter Mann im fleckigen Unterhemd (Kostüme: Janina Brinkmann), kurzsichtig, lungenkrank, jeder Satz ein Huster, jeder Huster ein Auswurf. Würde das Theater auf...
