Bremen Theater am Goetheplatz: Bye bye, Miss American Pie

Fritz Kater «Düsterer Spatz am Meer / Hybrid (America)» (U)

«Amerika, das heißt träumen!», ruft Martin irgendwann einmal aus. Er meint es anders, aber für den ehemaligen Idealisten, der halb gegen seinen Willen zum Finanzinvestor wurde und zum Ausgleich extra skrupellos agiert, sind Träume auf fatale Weise zum Lebenselixier geworden: als Luftbuchungen, als hochgefährliche Scharlatanerie. Martin investiert in Immobilien, und als er ahnt, dass die Immobilienblase platzen dürfte, wettet er an der Börse gegen seine eigenen Investitionen. Und macht ein Vermögen, während die Kleinanleger ihre gesamten Ersparnisse verlieren.

«Amerika, das heißt träumen», aber diese Träume sind Alpträume.

Zumindest in dem Amerika, wie es sich Fritz Kater vorstellt. Dessen «Düsterer Spatz am Meer/ Hybrid (America)» ist eine groß angelegte Drei-Generationen-Saga, das Psychogramm einer Gesellschaft, die auf Gewalt gegründet ist. Vietnam-Veteran John (Guido Gallmann) und Veronique (Annemaaike Bakker) betreiben in den Achtzigern ein heruntergekommenes Hotel in Florida, John säuft, schlägt seine Frau und erschießt irgendwann einen General. Ihre Tochter Melinda (Mirjam Rast) heiratet den Luftikus Martin (Ferdinand Lehmann), kriegt sich mit ihrer Schwiegermutter (Verena ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute November 2020
Rubrik: Chronik, Seite 48
von Falk Schreiber

Weitere Beiträge
Stuttgart Staatsschauspiel: Nackig vor der Maklerin

Eins ist vorhersehbar in Thomas Melles neuem Stück «Die Lage»: dass sie irgendwann völlig nackt dastehen, all die verzweifelten Menschen, die sich um überteuerte Wohnungen in totsaniertem Altbau oder Neubauten mit Parkblick bewerben. Persönliche Gefühle und alle Daten haben sie da im Bewerbungscasting schon preisgegeben, Schnarchtest und Orgasmussimula­tion hinter...

Serie: Horror der Heimatlosigkeit

Alexander Scheer ist praktisch nicht wiederzuerkennen. Ungewaschener Bart, verlebte Haut. Die Kapuze seines Mantels fällt ihm tief ins kajalverdunkelte Gesicht, nur gelegentlich blitzen blaustechend seine Augen hervor. Ein finsterer Geselle, der mit seinem Fingernagel Blechbüchsen öffnen kann. Wie er da in den ersten Minuten von «Hausen» als Obdachloser dem...

Theatergeschichte: Herr von Flott

In Zusammenarbeit mit dem Theatermuseum Wien hat die slowakische Akademie der Wissenschaften einen von Miloš Mistrík zusammengestellten Band über «Max Reinhardt und Bratislava/Pressburg» herausgegeben, der der Herkunft der jüdischen Familie Goldmann aus dem slowakischen Städtchen Stampfen in der Nähe der damals Königlichen Freistadt Pressburg mit mehrheitlich...