Bremen Theater am Goetheplatz: Bye bye, Miss American Pie
«Amerika, das heißt träumen!», ruft Martin irgendwann einmal aus. Er meint es anders, aber für den ehemaligen Idealisten, der halb gegen seinen Willen zum Finanzinvestor wurde und zum Ausgleich extra skrupellos agiert, sind Träume auf fatale Weise zum Lebenselixier geworden: als Luftbuchungen, als hochgefährliche Scharlatanerie. Martin investiert in Immobilien, und als er ahnt, dass die Immobilienblase platzen dürfte, wettet er an der Börse gegen seine eigenen Investitionen. Und macht ein Vermögen, während die Kleinanleger ihre gesamten Ersparnisse verlieren.
«Amerika, das heißt träumen», aber diese Träume sind Alpträume.
Zumindest in dem Amerika, wie es sich Fritz Kater vorstellt. Dessen «Düsterer Spatz am Meer/ Hybrid (America)» ist eine groß angelegte Drei-Generationen-Saga, das Psychogramm einer Gesellschaft, die auf Gewalt gegründet ist. Vietnam-Veteran John (Guido Gallmann) und Veronique (Annemaaike Bakker) betreiben in den Achtzigern ein heruntergekommenes Hotel in Florida, John säuft, schlägt seine Frau und erschießt irgendwann einen General. Ihre Tochter Melinda (Mirjam Rast) heiratet den Luftikus Martin (Ferdinand Lehmann), kriegt sich mit ihrer Schwiegermutter (Verena ...
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Theater heute November 2020
Rubrik: Chronik, Seite 48
von Falk Schreiber
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«Jakob Lenz hätte Büchner als Freund haben müssen», schreibt Sigrid Damm, als sie 1987 die erste Lenz-Gesamtausgabe herausgibt. Leider war Lenz seit über 40 Jahren tot, als der junge Kollege Büchner auf dessen Werk stieß. Dennoch ist Büchner «der Erste, der das Ungewöhnliche von Struktur, Gestus und Weltsicht seiner Dramen begreift». Lenz’ «Soldaten» wurden zur...
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