Wessen Leben zählt?

Darja Stocker «Nirgends in Friede. Antigone»

Theater heute - Logo

Ein Schlüsselstein der neuen Basler Dramaturgie ist Darja Stockers neues Stück. Mit «Nirgends in Friede. Antigone» befragt die Schweizer Dramatikerin einerseits das Narrativ des antiken Mythos neu, andererseits dient ihr die sophokleische Tragödie auch als metaphorische Folie, um die Herrschaftslogik der gegenwärtigen Welt- bzw. Europapolitik in Frage zu stellen. Mit Theben ist die Festung Europa gemeint und der Krieg, der außerhalb der Mauern tobt, ist auch als jener zu verstehen, der gerade an den europäischen Außengrenzen herrscht.

Dort, wo Europas Grenzschutzpolitik tausende Flüchtlinge dazu zwingt, auf gefährlichen Seewegen ihr Leben aufs Spiel zu setzen.

Ausgangslage für Darja Stockers Auseinandersetzung mit dem Labdakiden-Stoff ist der Konflikt zwischen den Zwillingsbrüdern Eteokles und Polineikes um die Herrschaft von Theben. Als Nachkommen von Ödipus haben beide per Geburt Anrecht auf den Thron.

 

Während Polineikes enterbt, verbannt und selbst über seinen Tod hinaus entwürdigt bleibt, erhält der Bruder Eteokles ein ehrenvolles Begräbnis und wird für die Verteidigung seines Geburtsrechts als Held gefeiert. 

 

Wie kommt es, dass manche Menschen dabei unterstützt werden, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2015
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 196
von Sabrina Hofer

Weitere Beiträge
Fremd im eigenen Fell

Das 20. Jahrhundert ist zu Ende, doch an der Last dieses wirren Zeitalters tragen wir noch immer, an seinem Nachlass aus politischen und religiös-fundamentalistischen Ideologien, am Erbe von Kriegen, Revolutionen und Diktaturen, an mörderischer Gewalt und neuen globalen Gefahren. Die Epoche von Verdun und Stalingrad, Auschwitz und Gulag, Hiroshima und Tschernobyl...

Zwanzig Jahre später

Geflüchteten Menschen die Bühne zu überlassen, damit sie für sich selbst sprechen können, scheint das probate Mittel zu sein, um als Theater auf die untragbare Situation der Geflüchteten in Europa reagieren zu können. Dass sich diese Haltung weitgehend durchgesetzt hat, rührt auch von der verstärkten Selbstrepräsentation der Geflüchteten her, die in Protestcamps in...

Bildet Banden!

Die Debatte über das Ensembletheater in Deutschland wird zur Zeit wieder aggressiv und nervös geführt. Zugegebenermaßen fällt es schwer, der German-Angst-Fraktion auf Premierenfeiern zu entkommen und dennoch nicht der neoliberal orientierten Antisubventionslogik zu folgen. Gibt es einen Weg aus dem Dilemma?

Ensembles sind zunächst Zusammenschlüsse von Menschen zum...