Wer schläft, sündigt nicht
Die Proben haben begonnen, und Nina Hoss und Susanne Wolff stehen für die erste Szene von «Öl» auf der Bühne. Wie aber der Schluss von Lukas Bärfuss’ neuem Stück aussieht, wissen wir nicht. Es ist noch nicht fertig. Was auf dem Theater ein ungewohntes, irritierendes Gefühl ist, kennen wir aus dem Leben nur allzu gut. Wir wissen selten, wohin etwas führt, wie es endet. Vielleicht haben wir deshalb die Eigenschaft, so viel Wissen wie möglich anzuhäufen.
Auch die Figuren in «Öl» wissen viel.
Sie wissen um den knapp gewordenen Rohstoff und seine Förderbedingungen, um Korruption und Gewalt, sie wissen um sich und ihre Neurosen, um ihre Lügen und Ängste. Sie wissen mehr, als ihnen lieb ist, mehr, als sie verkraften können. Sie tragen ihr Wissen vor sich her wie ein Schutzschild, beten es rauf und runter wie einen absurden Psalm. Ihre Texte wirken, als würden sie das Leben anderer beschreiben, als wäre das eigene längst entrückt und komplett unglaubwürdig. Das Wissen nützt ihnen nichts. Es verwirrt sie, statt etwas zu klären.
Lukas Bärfuss hat eine kleine Gruppe von Menschen, vier Westeuropäer und eine Einheimische, in ein «fremdes Land» versetzt. Herbert Kahmer, seine Ehefrau Eva ...
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Theater heute Jahrbuch 2009
Rubrik: Stücke der neuen Spielzeit, Seite 158
von Sonja Anders
Der giftige Saft der Tollkirsche (Atropa belladonna) verlieh, in die Augen geträufelt, einen träumerischen Blick und war ein Aphrodisiakum und Schönheitsmittel der Frauen; doch Atropa ist auch der Name der griechischen Schicksalsgöttin, die den Lebensfaden durchschneidet. Die Frauen, ob Mutter, Tochter, Gattin, Geliebte, Rivalin oder Feindin, ob Griechin oder...
Die höchst produktive Schizophrenie des Andreas Kriegenburg ist jetzt schon neun Jahre alt. Sie brach im Jahr 2000 aus. Da sollte er am Wiener Burgtheater «Dantons Tod» inszenieren, kombiniert mit Heiner Müllers «Auftrag», ein Revolutions-Spektakel, und war sich plötzlich vollkommen sicher, wie die Bühne dazu auszusehen hatte: Drei Wände, die nach einem Vorspiel...
Franz Wille Herr Baumbauer, Sie haben sich 2000 in Hamburg nach sieben Jahren vom Deutschen Schauspielhaus verabschiedet, als das Theater auf der Höhe seines Erfolgs war. Danach in München 2001 war der Start nicht einfach; es hat gedauert, bis sich die Kammerspiele in der Außenwahrnehmung und beim Publikum durchgesetzt haben. Jetzt verabschiedet sich Herr...
