Wer oder was spricht?
Imposante Gestalten bewegen sich wie schwerelos durch den Zuschauerraum. Gianna-Sophia Weise hat identisch prächtige Kleider aus rotweißem Brokatstoff entworfen: bodenlange taillierte Röcke, die schwingend an Derwischgewänder erinnern, dazu passende Oberteile mit weiten Kapuzen, die ihre Träger:innen optisch fast um einen Kopf vergrößern. Drunter, das kriegen wir später zu sehen, tragen die sechs Schauspieler:innen die gleichen hellblaue Overalls.
Sharon Dodua Otoos Roman «Adas Raum» (2022) erzählt von einer Reise durch Zeit und Raum – und ist zugleich so etwas wie ein intersektionales literarisches Experiment. Eine Art göttlicher Hauch, «Brise» genannt, fährt in verschiedene Gegenstände, die zu Ich-Erzählenden werden – ein Besen, ein Türknauf, ein Reise -pass –, und in vier Adas, die unter verschiedenen Bedingungen versuchen, sich minimale Freiheit zu erstreiten. Eine Ada lebt mitten im 15. Jahrhundert in Totope, Westafrika, und betrauert ihr kurz nach der Geburt gestorbenes Baby, just als portugiesische Kolonisatoren an der Küste vor Anker gehen. Die Mathematikerin Ada Lovelace hat 1848 in London eine Affaire mit Charles Dickens; eine polnisch-jüdische Ada arbeitet 1945 im ...
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Theater heute August/September 2024
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Eva Behrendt
«Man darf die Brücken nicht abreißen lassen.» Theaterdirektor Karl spricht diese Worte mit Blick auf seine Frau Edda ebenso gelassen wie sehnsüchtig aus. Sie markieren den diskursiven Stand des Heute genauso wie die Moral von Kleists «Kohlhaas», der hier in Meiningen in einer Bearbeitung von Björn SC Deigner auf die Bühne in den Kammerspielen gekommen ist. Deigner...
Das Schauspiel der Salzburger Festspiele startet unter einer neuen Leitung: Marina Davydova, die aus Moskau fliehen musste, kuratiert an der Salzach.
Dea Loher ist wieder da und hat nach 14 Jahren ein neues Stück geschrieben: «Frau Yamamoto ist noch da». Der Stückabdruck!
Die Redaktion macht Sommerpause und ist ab 20. August wieder erreichbar!
Das Jahrbuch Theater...
Es hilft, wenn man nach dem Theaterabend «Den Aufstand proben – Handbuch einer Hausbesetzung» selbst in den Magnitorwall 18 einbiegt. Und wenn man dort noch das Glück hat, dass einen eine Theatermitarbeiterin kurz und beherzt hineinführt in die Räume. Die Räume, die jetzt Theaterbüros sind und damals Wohnungen waren: großbürgerlich hohe Decken, prunkvoller Stuck...
