Hoffnung ist süßer
«Man darf die Brücken nicht abreißen lassen.» Theaterdirektor Karl spricht diese Worte mit Blick auf seine Frau Edda ebenso gelassen wie sehnsüchtig aus. Sie markieren den diskursiven Stand des Heute genauso wie die Moral von Kleists «Kohlhaas», der hier in Meiningen in einer Bearbeitung von Björn SC Deigner auf die Bühne in den Kammerspielen gekommen ist. Deigner aktualisiert oder überschreibt dabei nicht die Kleistsche Novelle, sondern baut sich eine Strichfassung, die dann um mehrere Ebenen angereichert wird.
Oder anders: Er übergibt den Kleiststoff in die Hände der Theatergruppe «Die freche Distel», die als Mini-Unternehmen mit vier Leuten die Stadthallen dieser Republik bespielt. Nicht von ungefähr erinnert der Titel an Peter Weiss. Dieses «Liebhabertheater» ist eine muntere intergenerationelle Truppe. Prinzipal Karl (Thomas Büchel) ist ein ehemaliger Idealist, trotz enttäuschter Träume voll Feuer. Seine Frau Edda (Anja Lenßen) backt nicht nur hervorragenden Kuchen und übernimmt Assistenzaufgaben, sie ist auch im Internet ein paar Mal falsch abgebogen und glaubt nun eher populistischen Schwurblern denn an die hohen Theorien des politischen Theaters. Die entdeckt hingegen ...
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Theater heute August/September 2024
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Torben Ibs
Wir leben», beginnt Elfriede Jelineks Text «Die Schutzbefohlenen – Was danach geschah (2024)». «Hauptsache, wir leben, und viel mehr ist es auch nicht nach Verlassen der heiligen Heimat.» Dass diese Sätze bei Johan Simons, der den vergleichsweise schlanken 39-Seiter der Literaturnobelpreisträgerin am Schauspielhaus Bochum zur Uraufführung gebracht hat, gleichzeitig...
Ist das wirklich erst sechs Jahre her? Blickt man zurück auf den Amtsantritt von Anna Bergmann als Schauspieldirektorin in Karlsruhe, dann blickt man in eine andere Zeit. Klar: Vor allem in eine Zeit vor all den Umwälzungen, die Corona auch an den Theatern mit sich gebracht hat. Aber nicht nur das. Es war eine Zeit, in der es kaum jemandem auffiel, wenn große...
Er muss schon ein rechter Kotzbrocken gewesen sein, dieser Märchenonkel. «Der arme Andersen war lästig, die schlimmste Last aber blieb er sich selbst», schreibt der Literaturkritiker Michael Maar in seinem Buch «Leoparden im Tempel» über den Dichter Hans Christian Andersen. Und weiter: «Durch heillosen Egozentrismus fiel er noch den geduldigsten Gastgebern zur Last...
