Wenn Ideen töten können
Wenn Wallenstein zum erstem Mal erscheint, scheppert es gewaltig. Weniger wegen des imposant schimmernden Brustharnischs überm Kettenhemd als wegen der Blechhandschuhe, mit denen er so ungeschickt wie notgeil die aus Wien heimkehrende Gemahlin befingert, die sich das, nicht weniger unter Druck, gern gefallen lässt. Nichtsdestotrotz wird atemlos Dialog gefeuert, wenn auch aus einem anderem Themenbereich: dem Bericht vom Kaiserhof, wo die Herzogin von Friedland reichlich kühl empfangen wurde, was für die Zukunft nichts Gutes ahnen lässt.
Nach einigem Geturne und Gezerre am Kettenhemd -verschluss bleibt festzuhalten: Dieser Wallenstein ist unbedingt familientreu, hat wenig Spaß und mächtig Stress. Hinzu kommt der Preis der vielen Feldzüge und Winterlager: Das rechte Knie macht üble Probleme – Arthritis? Meniskus? –; der Kriegsheld ist jedenfalls nicht nur politisch längst auf dem absteigenden Ast, sondern gleich zu Beginn ziemlich fertig. Hier lebt jemand mehr von seinem Ruf als seinem Zustand.
Co-Autor Curzio Malaparte
Die zwei Stunden davor hatten Regisseur Frank Castorf und sein Dresdner Ensemble mit vereinten Kräften bereits alle Soldatenromantik und Landsergemütlichkeit aus ...
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Theater heute 6 2022
Rubrik: Aufführungen, Seite 12
von Franz Wille
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Es gibt viele Dinge, die sich drehen: Ein Hamsterrad, die Zeiger einer Uhr – und das Bühnenbild von «Birthday Candles», das dreht sich auch. Szenograf Jo Schramm hat dazu einen Guckkasten samt Küche entworfen, die im Verlauf des Abends ziemlich oft Kopf steht. Und diese gekippte Küche ist es auch, die als Gradmesser für die Stimmung der amerikanischen...
