Redeströme schriller Vögel

Kathrin Röggla «Verfahren» (U) im Staatstheater Saarbrücken

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Über viele Jahre konnte die rechtsradikale Terror -zelle NSU Mitbürger:innen ausländischer Herkunft ermorden, ohne überführt zu werden. Grund dafür: Der Verfassungsschutz ermittelte beharrlich in die falsche Richtung. Einen rechtsextremen Hintergrund der Taten schloss er aus und versteifte sich auf organisierte ausländische Kriminalität. Aufklärung über diese fatalen Ermittlungsfehler sollte der NSU-Prozess bringen. Doch über Hintermänner und Hintergründe gab das fünfjährige Verfahren kaum Aufschluss, auch das Leid der Familien spielte keine Rolle.

Stattdessen konzentrierte man sich auf die Hauptangeklagten. In Öffentlichkeit und Medien wurde der quälend zähe Prozess fassungslos und wü -tend wahrgenommen. 

In Kathrin Rögglas neuestem recherchebasierten Auftragswerk «Verfahren» am Saarländischen Staatstheater rückt nun diese Öffentlichkeit in den Fokus, die Beobachter:innen des Prozesses, «in einer Situation, die geprägt ist von Spaltung, Instanzenkritik, Hatespeech gegen die da oben», so die Autorin in einem dem Stück vorangestellten Kommentar. Unterschiedlichste Erwartungen und die damit einhergehenden ideologischen Standpunkte legt sie sieben typisierten Figuren in den Mund, mal ...

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Theater heute 6 2022
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Natalie Bloch

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