Wenn die Hoffnung zum Debakel wird

Über die Gefahr, die Demokratie durch Demokratisierung zu zerstören

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In der Regel formulieren wir unsere Erwartungen für die nähere und fernere Zukunft auf der Grundlage von Linearitätserwartungen: Ein Mehr an Investition wird nach gewisser Zeit auch zu einem Mehr an Erträgen führen, mehr Wissen ist die Grundlage größerer Bildung, und dementsprechend erwarten wir auch von einer Politik der Demokratisierung eine Ausdehnung und Festigung der Demokratie. Unsere epistemische Ordnung ist durch Linearitätsannahmen grundiert.

Die Folge ist, dass wir Maximierung und Optimierung in der Regel als kongruent betrachten und die Vorstellung zurückweisen, beide könnten unterschiedlichen Entwicklungsmustern folgen. Vermutlich ist die Annahme, dass mehr auch besser sei, im Verlaufe der Geschichte erworben worden und keineswegs der Grundausstattung menschlichen Denkens zugehörig. Es dürfte sich dabei um eine Folge wachsender Naturbeherrschung handeln, die in perio­dischen Schüben die Entwicklung des Menschen­geschlechts begleitet hat. Mit der Industrialisierung Westeuropas und Nordamerikas hat sich dieses Denkmuster endgültig durchgesetzt – bevor es dann mit dem Aufstieg ökologischer Überlegungen vor einigen Jahrzehnten in eine Krise kam.
 

Mehr ist nicht immer besser

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Theater heute März 2010
Rubrik: Wagnis Demokratisierung?, Seite 34
von Herfried Münkler

Vergriffen
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