Weltfußballer
Während Krieg herrscht, geht Anne Lenk ins Fuß -ballstadion. Ihr «Amphitryon», den sie im Nürnberger Schauspielhaus auf die Bühne schickt, kommt nämlich nicht aus der Schlacht, er kommt als Profikicker aus der Tiefe des Raumes, direkt aus der Umkleidekabine, verschwitzt und abgekämpft und glücklich mit dem riesigen Pokal. Er hat gewonnen, freilich nicht gegen die Athener auf leichenübersätem Schlachtfeld: Mit der thebanischen Mannschaft hat er vielmehr Ruhm auf dem grünen Rasen erlangt. Das soll ihm Alkmene nun lohnen mit Liebesnacht und Stolz auf den siegreichen Weltfußballer.
Doch die Spielerfrau, natürlich blond und ein bisschen tumb, ist schon befriedigt, da sie sich just mit einem Mann im Bette wälzte, den sie original für ihren Gatten hielt. Ein glattes Foul im Eheleben, denn – bleiben wir ruhig weiter in der Fußballsprache – es handelte sich um ein geschicktes, freilich auch hinterhältiges Täuschungsmanöver von Gott selbst. Jupiter zog sich das Trikot mit der Nummer 10 an, das eigentlich Amphitryon sonst trägt, und drang als Double in dessen heimischen Strafraum vor und ein. Nun steht er da, der mit Glanz, Gloria und Spott bekleckerte Stürmer, betrogen und vor allem nicht ...
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Theater heute 6 2022
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Bernd Noack
Es war eine Art Klassentreffen des freien belarussischen Theaters, was das Festspielhaus Hellerau mit seinem Festival «Nebenan/Побач. Unabhängige Kunst aus Belarus» unter der kuratorischen Leitung von Johannes Kirsten organisiert hatte. Denn seit der brutal unterdrückten Revolution vom Herbst 2020 gegen die Wahlfälschungen von Dauerdiktator Lukaschenko befindet...
Will ein Theater heute Stücke zum Thema Krieg auf den Spielplan setzen, bieten sich zwei Dramen ganz besonders an. Einerseits die antike Tragödie «Die Troerinnen», in der Euripides nicht die siegreichen Helden des Trojanischen Kriegs, sondern die Frauen der Besiegten sprechen lässt. Andererseits, aus der jüngeren Vergangenheit, «Reich des Todes», in dem Rainald...
Ich entschuldige mich aufrichtig bei jeder, die sich verletzt fühlt, bei jedem, der sich wegen mir schlecht gefühlt hat. Ich wünsche ihnen die Anarchie der Liebe und der Schönheit» – diese handschriftlichen Zeilen hatte der belgische Künstler und Choreograf Jan Fabre während des Prozesses gegen ihn wegen sexueller Belästigung seinen Anwält:innen zur Übermittlung an...
