Das Ensemble, Foto: Anette Hauschild/Theater Weimar
Weimar: Legendäre Mädchen
Ein warmer Abend im Spätsommerlicht. Der Park an der Ilm hat sich geleert, ein paar junge Leute lümmeln noch auf den Wiesen. Auf meinen Ohren liegt der Soundtrack von Schritten, die unweigerlich mein Tempo bestimmen. «Du nimmst den linken Weg», sagt eine Männerstimme, «sieh dich nicht um, du Ratte.
» Sie lotst mich von einer Blackbox, in der ein rätselhafter Video-Prolog auf zwei Screens die Schauspieler Sophie Hutter und Thomas Kramer in ein und demselben Hotelzimmer, womöglich derselben Rolle zeigte, am Schloss vorbei und einmal rund um den Herderplatz zum Weimarer Promi-Hotel Elephant, dessen Ruhm sich auch daraus speist, dass es einst als «Heimstatt des Führers» galt.
Stimmen im Kopf hörte auch der Sturm-und-Drang-Dramatiker Jakob Michael Reinhold Lenz, den mit Goethe fünf Jahre lang eine intensive Brieffreundschaft, Denk- und Arbeitsbeziehung verband. Der prekär lebende Lenz zog, hoch verschuldet, im Frühling 1776 nach Weimar, wo er ein halbes Jahr später auf Goethes Geheiß aus der Stadt gejagt wurde. Die Gründe dafür sind unklar. Lenz, der aus heutiger Sicht an paranoider Schizophrenie litt, setzte jedoch seine unruhige und oft literarisierte Wanderschaft durch Mitteleuropa ...
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Theater heute Oktober 2017
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Eva Behrendt
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