Dries Verhoevens Videoinstallation «Guilty Landscapes», Foto: Kevon McElvaney/Impulse Festival 2017
Entscheiden ist Macht
Wie ein Monsterfinger in ein Puppenhaus bohrt sich ein Abrisshammer in das Glasfoyer des Stadttheaters Mönchengladbach, Staubhöllen fallen von oben. 2012 wurde das 1959 gebaute Theater abgerissen, im sechsten und neuesten Teil ihrer 2010 begonnenen Dokumentarfilmreihe «state-theatre» fangen Daniel Kötter und Constanze Fischbeck kommentarlos die brutale, aber auch erhabene Archaik des Abbruchs aus nächster Nähe ein. Vorher hat ihre Kamera still die verlassenen, aus Raum und Zeit gefallenen Kulturräume durchmessen.
Am Ende schmerzt es fast körperlich, dem unbarmherzigen Gang der Investitionslogik in der Innenstadt zuzusehen – und wird auch nicht durch das Häuflein Menschen im Schnee aufgefangen, die im zweiten Teil dem verlorenen Ort nachdiskutieren.
Ein spannendes filmisches Statement über menschliche Fortschrittsmanie und urbanen Raubbau hat Florian Malzacher an den Beginn der vierten und letzten von ihm geleiteten «Impulse»-Ausgabe gestellt. Auch die grandiosen Teile «#4 Detroit» (wo das Michigan Theater heute als Parkgarage benutzt wird) und «#5 Beirut» (wo Theaterleute und Raver die Ruine eines alten Einkaufszentrums bespielen) werden in der «Grotte», ein Container vor dem ...
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Theater heute Oktober 2017
Rubrik: Festivals, Seite 34
von Dorothea Marcus
Der Shitstorm auf den ersten Social-Media-Auftritt der Dercon-Volksbühne ebbte gerade ab, als der nächste Aufreger in die Theaterferienruhe platzte: In der Rubrik «Sexismus an Hochschulen» auf dem Blog der Zeitschrift «Merkur» erschien ein Beitrag der Schweizer Dramatikerin Darja Stocker, in dem sie ein von weißen, männlichen, teilweise übergriffigen Dozenten...
Ach herrje, die Pariser!» Julien, der Taxifahrer, schüttelt den Kopf. Die junge Frau ist ihm, den Blick strikt auf dem Handy, geradewegs vor die Kühlerhaube gelaufen. Während der Festival-Wochen ist in den Straßen Avignons ohnehin kein Durchkommen, schon gar nicht mit dem Auto. Die Stadt gehört den Fußgängern und den Jongleuren, Tanzcrews, Gitarristen,...
Neue Stücke
Zum 100. Geburtstag der Oktoberrevolution gratulieren Milo Rau, Autor eines nach Lenins Hauptwerk «Was tun?» benannten Essays, und das Ensemble der Schaubühne (plus Nina Kunzendorf nach langer Theaterpause!) mit «Lenin» der «wohl folgenreichsten Revolution der Menschheitsgeschichte» (wenn das die Franzosen lesen). Hagiografie oder Dekonstruktion? Bei...
