Weimar: Einer wird verlieren

Jörn Klare «Restleben» (U)

Theater heute - Logo

Die Zukunft sieht wieder einmal nicht schön aus. Wenn es nach Jörn Klare geht, hat sich die Menschheit zwar einerseits restlos diskreditiert, weil sie im Kampf gegen die Klimakatastrophe versagt hat, andererseits war sie aber schlau – oder dumm? – genug, ziemlich effiziente Algorithmen zu entwickeln. Diese «Algos», so die kumpelhafte Bezeichnung für künstliche Intelligenz, haben inzwischen die Macht übernommen und entscheiden, wer bei beschränkten Ressourcen weiterleben darf oder nicht. Dabei geht es um klare Kosten/Nutzen-Rechnungen.

Wer zu alt, krank oder sonstwie hinfällig ist, dem wird nahegelegt, der Menschheit nicht mehr weiter zur Last zu fallen. Wer das nicht freiwillig einsieht, dem wird nachgeholfen. 

In «Restleben» treffen sechs entmündigte Erdlinge in einem geschlossenen Raum zur «Ressourcenoptimierung» aufeinander. Bei Wasser und würfelförmiger Gelatine-Nahrung müssen sie unter ständiger Kamerabeobachtung abwarten, was die Algos mit ihnen vorhaben. Die Situ­ation führt, wie aus zahllosen Geschlossene-Gesellschafts-Plots nicht anders zu erwarten, zu fortschreitendem gegenseitigen Psycho-Gemetzel, das in der Regie von Sebastian Martin vergleichsweise mild ausfällt. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Dezember 2018
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Franz Wille

Vergriffen
Weitere Beiträge
Kleinstadtvampire

Eine junge Wienerin, die ich nicht persönlich kenne, Frl. Elfriede Jelinek, würde noch gern was schreiben.» Das vermeldete der ebenfalls junge, seit seiner «Publikumsbeschimpfung» aber schon deutlich prominentere Peter Handke 1968 dem Residenzverlag. Er akquirierte gerade Autor*innen für die lesenswerte Anthologie «Der gewöhnliche Schrecken. Horrorgeschichten», mit...

Heidelberg: Drohnen drohen hinter Drohnen

«Man will doch nicht von einem Gerät umgebracht werden», poltert Peter Anders. Er muss es wissen, der Mann hat gedient. Sätze wie dieser, die schon in sich so komisch widersprüchlich sind, dass man sich wundert, dass am Ende der Punkt hält, gehen beim Lesen des erklärfreudigen Kampfroboter-Kammerspiels «Im Schatten kalter Sterne» von Christoph Nußbaumeder fast...

Mensch und Tier

Und dann sagt doch nach zehn Stunden tatsächlich einer: «Ich könnte jetzt noch endlos hier sitzen ...» Unersättlich oder wahnsinnig, fanatisch oder gelähmt, fasziniert oder geblendet? Auf jeden Fall: Es ist gewöhnungsbedürftig, sich an einem Sonntag mittags ins Theater zu begeben, das man erst gegen Mitternacht wieder verlassen wird. Wir leben nicht mehr im alten...