Seidenstrümpfe und Pistolen
Die Zukunft wird weiblich», versprach das Badische Staatstheater Karlsruhe zum Saisonstart, und verwies damit zunächst mal aufs eigene Personal: Seit Sommer sind vier der fünf Spartenleitungen weiblich besetzt (das Junge Staatstheater bildet mit Otto A. Thoß die Ausnahme), und Schauspieldirektorin Anna Bergmann hat für ihre erste Spielzeit ausschließlich Regisseurinnen eingeladen. Letzteres schlug im Vorfeld unter dem Schlagwort «Feminat» ausgiebige Diskussionswellen.
In Bergmanns Antrittsinszenierung wird nun aber das Weibliche keineswegs als Garant für eine leuchtende Zukunft verklärt, im Gegenteil: Die Ibsen-Collage «Nora, Hedda und ihre Schwestern» lässt bei beiden Geschlechtern an kaum einer Figur ein gutes Haar – auch wenn sie es ihnen nicht ganz so rabiat ausreißt wie Hedda Gabler (Sina Kießling), die ihre Konkurrentin Thea Helvsted (Ute Baggeröhr) einfach am Schopf die Treppe hochschleift. Dass Hedda sich auch sonst als eiskalt-intrigantes Biest mit erotischer Dominanz gebärdet, ist angesichts ihrer Umgebung durchaus nachvollziehbar: Heddas Vater hat sie offenbar als Kind missbraucht, ihr Mann Jörgen (Jannek Petri) ist ein grundzufriedener Freizeithemd-Waschlappen von ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Es entbehrt natürlich nicht einer wohlkalkulierten Ironie, dass sich Zoe ausgerechnet an diesen Punkt des Universums begeben hat, um den Weltuntergang abzufeiern: Sie steht vor den «Quellen der Unsterblichkeit», einer tiefen Erdspalte mitten in der Wüste von Nevada. Hier sollen sich – so will es Robert Woelfls jüngstes Stück «Überfluss Wüste» – schon Bill Gates,...
«Schiggele» ist ein Mädchen, und wer auf Deutsch lacht, «schmollt» auf Jenisch. «Mulo» ist Tod und Teufel in einem – Jenisch ist die Sprache von fahrendem Volk. Anleihen gibt’s aus dem Romanes, der Sprache von Sinti und Roma (das sind «Manische» neben den «Jenischen»), auch Jiddisch, Deutsch und vieles mehr klingt mit, wenn Jenische sprechen. Für den in Singen...
Ein führender Politiker, Präsident eines westeuropäischen Landes, gerät in eine Krise. Warum, erfährt man nur in Andeutungen. Jedenfalls hat er den Impuls – sein «Momentum», so der Titel von Lot Vekemans neuem Stück –, der ihn an die Spitze der Macht getrieben hat, verloren. Nur mit Antidepressiva hält er sich am Funktionieren und will zurücktreten. Aber da ist...
