Seidenstrümpfe und Pistolen
Die Zukunft wird weiblich», versprach das Badische Staatstheater Karlsruhe zum Saisonstart, und verwies damit zunächst mal aufs eigene Personal: Seit Sommer sind vier der fünf Spartenleitungen weiblich besetzt (das Junge Staatstheater bildet mit Otto A. Thoß die Ausnahme), und Schauspieldirektorin Anna Bergmann hat für ihre erste Spielzeit ausschließlich Regisseurinnen eingeladen. Letzteres schlug im Vorfeld unter dem Schlagwort «Feminat» ausgiebige Diskussionswellen.
In Bergmanns Antrittsinszenierung wird nun aber das Weibliche keineswegs als Garant für eine leuchtende Zukunft verklärt, im Gegenteil: Die Ibsen-Collage «Nora, Hedda und ihre Schwestern» lässt bei beiden Geschlechtern an kaum einer Figur ein gutes Haar – auch wenn sie es ihnen nicht ganz so rabiat ausreißt wie Hedda Gabler (Sina Kießling), die ihre Konkurrentin Thea Helvsted (Ute Baggeröhr) einfach am Schopf die Treppe hochschleift. Dass Hedda sich auch sonst als eiskalt-intrigantes Biest mit erotischer Dominanz gebärdet, ist angesichts ihrer Umgebung durchaus nachvollziehbar: Heddas Vater hat sie offenbar als Kind missbraucht, ihr Mann Jörgen (Jannek Petri) ist ein grundzufriedener Freizeithemd-Waschlappen von ...
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