We stand with Ukraine
Tiflis, Ende September 2022. Wüsste man es nicht, man ahnte es kaum: Die Straßen so voll, die Menschen heiter, Musik tönt aus den Cafés und Restaurants an der langen Fressmeile zwischen dem schicken Festivalhotel am Fluss und dem Marjanishvili Theater, dem Zentrum des Georgian Showcase 2022. Es ist Krieg in der Ukraine, die Grenze zum Aggressor Russland ist keine 180 km weit entfernt, und ins internationale Stimmengewirr auf den Straßen mischt sich sehr viel Russisch: Über 50.000 junge Männer sind nach der zweiten Mobilmachung Putins am 21.
September ins Nachbarland geflohen, bevor Grenzkontrollen begannen, die Wehrpflichtigen herauszufiltern.
Der Straßenverkehr steht kurz vor dem Kollaps. Wir gehen zu Fuß ins Festivalzentrum, wo die Festivalleiterin Ekaterine Mazmiashvili die Kuratoren, Theatermacher, Kritiker aus 21 Ländern begrüßt, auf diesem «Marktplatz der Kollaborationen», «bringing them together in a troubled world». Im Foyer des Theaters haben die zum Festival eingeladenen und die gastgebenden Häuser Stände aufgebaut und verteilen üppig Flyer und Programme. Ja, das hier ist ein Marktplatz, der sehr deutlich erklärt: Schaut her! Wir brauchen euch. Wir brauchen den Blick ...
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Theater heute 12 2022
Rubrik: International, Seite 38
von Barbara Burckhardt
Da ist zunächst einmal der Name: Hauser. Natürlich verweist der auf das Nürnberger Findelkind Kaspar. Aber im Gegensatz zu diesem, der des Sprechens nicht mächtig war, brabbelt dieser Typ gleichen Nachnamens permanent vor sich hin. David Hauser führt in Steffen Menschings neuem Roman Selbstgespräche – notgedrungen, denn er ist mutterseelenallein, ausgesetzt wie...
In vielerlei Hinsicht hat die Autorin, Kritikerin und Transfrau Nora Eckert bislang ein ungeheuerliches Leben geführt. Geboren 1952 in einem Arbeiterhaushalt bei Nürnberg, fiel sie früh aus dem Rahmen. Etwa als sie, noch als Junge gelesen, auf der Realschule im Biologieunterricht ein Re -ferat über Homosexualität zu halten drohte (es wurde untersagt), als sie kurz...
Leise rieselt der Schnee, still und starr ruht das Haus. Allerdings nur auf der portalfüllenden Leinwand vorn an der Rampe, auf der ein Tisch steht, an dem fünf Schauspieler:innen hocken wie Krähen in einer Winterlandschaft. Sivan Ben Yishai hat ihnen einen elegant-fiesen Prolog für den «Nora»-Teil des großen Doppelabends geschrieben, den die Regisseurin Felicitas...
