Umtausch ausgeschlossen
Da ist zunächst einmal der Name: Hauser. Natürlich verweist der auf das Nürnberger Findelkind Kaspar. Aber im Gegensatz zu diesem, der des Sprechens nicht mächtig war, brabbelt dieser Typ gleichen Nachnamens permanent vor sich hin. David Hauser führt in Steffen Menschings neuem Roman Selbstgespräche – notgedrungen, denn er ist mutterseelenallein, ausgesetzt wie sein mythenumwobener Schicksalsgenosse in einer fremden, unwirtlichen Umgebung. Die freilich ist voller Berge und Schluchten und einer endlosen Weite, die kein Blick mehr abschätzen kann.
Die Einsamkeit umgibt diese beiden Hausers gleichermaßen, und sie müssen ganz langsam lernen, sich zurechtzufinden, zu überleben.
Steffen Mensching, der Rudolstädter Intendant und Romancier, legt mit «Hausers Ausflug» ein Buch vor, das sich nicht wie sein überraschender Erfolg «Schermanns Augen» (ein «Jahrhundertroman», wie Christoph Hein sagte) um die Vergangenheiten schert, sondern in einer gar nicht so fernen Zukunft spielt. Ein paar Jahre von unserem entfernt landet jener David Hauser irgendwo auf der Welt in der unwirtlichen Pampa: Er ist buchstäblich vom Himmel gefallen, in einer Box am Fallschirm, die der erfolgreiche Industrielle ...
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Theater heute 12 2022
Rubrik: Bücher, Seite 51
von Bernd Noack
Man muss der Dramaturgie des Deutschen Schauspielhauses Respekt zollen. Als entschieden wurde, eine Dramatisierung von Annie Ernaux’ Roman «Das Ereignis» als deutschsprachige Erstaufführung auf die Bühne zu bringen, war nicht klar, dass die Autorin 2022 den Literaturnobelpreis erhalten und sich der Abend – inszeniert von Regieassistentin Annalisa Engheben im...
Theater heute
Die Theaterzeitschrift im 63. Jahrgang Gegründet von Erhard Friedrich und Henning Rischbieter
Herausgeber Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
Redaktion Eva Behrendt Franz Wille (V.i.S.d.P.)
Redaktionsbüro Katja Podzimski
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Redaktionsanschrift Nestorstr. 8–9, 10709 Berlin, Telefon 030/25 44 95 10, Fax 030/25 44 95 12...
Ich muss dieses Buch schreiben, bevor ich wieder funktioniere und weitermachen kann», sagt die Erzählerin kurz vor Ende ihrer Geschichte, als sie bereits zum zweiten Mal in einer Klinik zur psychotherapeutischen Behandlung ist. Schreiben als Selbstheilung. Das Vorhaben scheint geglückt. Die Erzählerin hat, bis wir zu diesem Satz gelangen, längst ihren Ausdruck...
