Die binäre Illusion

Die Autorin und Kritikerin Nora Eckert blickt auf ihr transsexuelles Leben zurück

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In vielerlei Hinsicht hat die Autorin, Kritikerin und Transfrau Nora Eckert bislang ein ungeheuerliches Leben geführt. Geboren 1952 in einem Arbeiterhaushalt bei Nürnberg, fiel sie früh aus dem Rahmen.

Etwa als sie, noch als Junge gelesen, auf der Realschule im Biologieunterricht ein Re -ferat über Homosexualität zu halten drohte (es wurde untersagt), als sie kurz vor dem Abschluss einfach die Schule verließ, aber trotzdem Verlagsvolontär in Gießen und später in Berlin renommierte Opernkritikerin wurde – parallel zu einem Bürojob, in dem sie dreißig Berufsjahre lang als Frau durchging, obwohl sie keine Geschlechtsangleichung vornehmen ließ und nur sechs Jahre lang Hormone gespritzt hatte. Dagegen scheint ihre Zeit als Animierdame und Garderobiere bei «Chez Romy Haag», dem in den siebziger Jahren angesagtesten Travestieclub Europas, vergleichsweise vorhersehbar. 

«Wie alle, nur anders» ist ein ungewöhnliches Memoir, ohne die Schwere und Wut vergleichbar kluger Erinnerungen französischer Autoren, auf die Eckert auch ein, zweimal im Widerspruch Bezug nimmt. Im Ton fast immer heiter, leicht und elegant, ist eine Opfergeschichte das letzte, was sie erzählen will: Stets und mit ...

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Theater heute 12 2022
Rubrik: Bücher, Seite 50
von Eva Behrendt

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