Ein Haus namens Patriarchat

Felicitas Brucker inszeniert an den Münchner Kammerspielen den Doppelabend «Nora» und «Die Freiheit einer Frau»

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Leise rieselt der Schnee, still und starr ruht das Haus. Allerdings nur auf der portalfüllenden Leinwand vorn an der Rampe, auf der ein Tisch steht, an dem fünf Schauspieler:innen hocken wie Krähen in einer Winterlandschaft.

Sivan Ben Yishai hat ihnen einen elegant-fiesen Prolog für den «Nora»-Teil des großen Doppelabends geschrieben, den die Regisseurin Felicitas Brucker inszeniert: eine vergleichende Studie zwischen Ibsens Drama und Édouard Louis zur Zeit viel gespieltem Mutteressay «Die Freiheit einer Frau» zu Emanzipation und Klassismus, über die Frage, ob und wie sich bürgerliche und proletarische Frauen gestern und heute dem Machtungleichgewicht in ihren Ehen entziehen. 

«Wir wuchsen auf / In diesem Haus», «Wir wuchsen auf / In dieser Story», stellen Katharina Bach und Thomas Schmauser zum Auftakt fest, in dem stets in der Schwebe bleibt, ob sie als Schauspieler:innen oder Figuren sprechen. In der Tat gehörte Ibsens Drama zu den wichtigen kanonischen Stücken des bürgerlichen Theaters im letzten Jahrhunderts, und noch zu Beginn der Nuller Jahre profilierten sich männliche Regisseure mit radikalen Unterlaufungen des einst verbotenen Ibsen-Endes: Sei es, dass Nora bei Stephan ...

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Theater heute 12 2022
Rubrik: Aufführungen, Seite 24
von Eva Behrendt

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