We are family
Im Programmheft zu Sibylle Bergs neuestem Beitrag zur Zersetzung bürgerlicher Fassaden bemüht die Bonner Dramaturgie den wertekonservativen Verfassungsrichter Udo di Fabio als entschlossene Gegenstimme: «Die Familie», behauptet er eisern, «ist eine Lebensform des Menschen, ein sozialer Raum der Nähe, von dem aus der Zivilisationsprozess immer wieder erneut seinen Ausgangspunkt nimmt.» Folgt man den beiden Premieren, mit denen das von Kürzungsattacken heimgesuchte Schauspiel Bonn in die Adventszeit startete, besteht begrenzte Hoffnung für diesen Zivilisationsprozess.
Die Familie ist die Keimzelle aller Katastrophen, scheinen Sibylle Berg und Andrew Bovell beweisen zu wollen, der soziale Raum, den sie beschreiben, ist erfüllt von bösartigen Schmähungen (Berg) oder abgründigem Verschweigen (Bovell).
Generationenkonflikt zum Fest
In den Kammerspielen in Bad Godesberg, gleich neben dem Weihnachtsmarkt, verzichtet Bühnenbildner Andreas Freichels fast bis zum Schluss konsequent auf jedes Weihnachtsdekor. Sechs überdimensionierte Halbkreise trudeln in immer neuen Formationen über die schwarze Bühne, verfehlen sich meistens, schließen sich selten zum harmonischen Rund. Sie sind aus ...
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Theater heute Februar 2011
Rubrik: Aufführungen, Seite 24
von Barbara Burckhardt
Zwei «Antigone»-Varianten zweier Vertreter verschiedener Generationen und Geschlechts stehen diesen Monat am Start: Friederike Heller inszeniert an der Berliner Schaubühne, Dimiter Gotscheff am Hamburger Thalia Theater. Im Centraltheater Leipzig steigt Sebastian Hartmann mal wieder in Frank Castorfs mythische Fußstapfen und inszeniert Laufs/Jacobys Schwank «Pension...
Jede Zeit liebt ihre Schauspieler auch für die Sprachmusik. Alexander Moissi tremoliert am Rande der Erschöpfung, Will Quadfliegs Monologe klingen aus tiefer Brust empor, Bruno Ganz stanzt die Worte, als folge er einem unregelmäßigen Taktstock, und Sophie Rois hustet Noise, wenn ihr Kehlkopf mal wieder zu streiken vorgibt. Auch die letzten Regisseure, die noch als...
Im Verlauf von Volker Löschs gewohnt freier Wedekind-Adaption «Lulu – Die Nuttenrepublik» an der Berliner Schaubühne ertappt man sich bei dem kuriosen Gedanken, beruflich womöglich aufs falsche Pferd gesetzt zu haben. Oder, koketter formuliert, sich selbst als Pferdchen ins falsche Rennen geschickt zu haben. Das älteste Gewerbe der Welt, aus dessen Nähkästchen ein...
