Räume aus Sound
Jede Zeit liebt ihre Schauspieler auch für die Sprachmusik. Alexander Moissi tremoliert am Rande der Erschöpfung, Will Quadfliegs Monologe klingen aus tiefer Brust empor, Bruno Ganz stanzt die Worte, als folge er einem unregelmäßigen Taktstock, und Sophie Rois hustet Noise, wenn ihr Kehlkopf mal wieder zu streiken vorgibt.
Auch die letzten Regisseure, die noch als große Innovatoren gelten, erkennt man an ihren musikalischen Merkmalen: Robert Wilsons strenges Zeitkorsett, Christoph Marthalers zerdehnte Wiederholungen, Einar Schleefs seltsam rhythmisierte Chöre, die lauten Beschleunigungen des frühen Frank Castorf. Manche Theatersprache, die noch nicht zum Klassizismus geronnen ist, wird mit musikalischen Kategorien beschrieben. «Music makes the bourgeoisie and the rebel – come together», sang Madonna vor zehn Jahren. Madonna meinte zwar die Disco, aber nirgends war das richtiger als in unserer liebsten bürgerlichen Anstalt, dem Sprechtheater, Dancefloor der Prosa und des Verses.
Castorf, Marthaler und Co. stellten ihre Musikalität noch deutlich aus, die neuen Mittel wollten gedeutet werden. Guten Tag, mein Name ist Musik, ich bin ein Träger von Ideen. Die nach 1960 geborenen ...
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Theater heute Februar 2011
Rubrik: Musik im Theater, Seite 6
von Tobi Müller
Doch, das sieht schon verdammt cool aus: Die Bühne soll ein Altersheim darstellen, wirkt aber dank der Rundum-Vergitterung wie die Hochsicherheitszelle für den Joker im Batman-Film «The Dark Knight». Dementsprechend scheint Mephisto in den Schminktopf von Heath Ledger gefallen zu sein, wenn er pferdefußschlurfend mit punkrockerstrubbeligem Blondschopf über die...
Die selbstverständlich selbstreflexive Dekonstruktionsfreudigkeit der performativen Künste, in deren Anfänge Handkes «Publikumsbeschimpfung» einmal gehört haben mag, schlägt noch immer die allerkühnsten Kapriolen. René Pollesch zum Beispiel, das ist Metacomedy
für Intellektuelle, die schon alles wissen! Peter Handkes Klassiker von ’68 dagegen ist inzwischen tief in...
Der Schauspieler Wolf Redl, geboren 1939 im pommerschen Stargard, war jahrzehntelang immer dort, wo es wichtig wurde. Er spielte 1968 Peter Handkes «Kaspar» in Claus Peymanns Inszenierung am Frankfurter Theater am Turm, wechselte dann ans Münchner Residenztheater, wo er in Hans Lietzaus Heiner-Müller-Uraufführung den Philoktet gab, spielte 1970 unter Intendant...
