Wasser in diversen Behältern
Ist das Stück ausgefallen? Bin ich zu spät, erst zum Nachgespräch in die Kölner Tanz-Faktur gekommen, mitten im launigen Betrieb des Impulse-Theaterfestivals, Show -case in Köln? Ein wenig verknautscht sieht der Künstler aus, wie er da neben dem Moderator auf der Bühne sitzt und mit strengem Blick über die vermeintlich vergangene Performance und sein neuestes Entwicklungsprojekt «SPA-frica» spricht: «Voluntears» spenden westeuropäische Tränen, erhalten Trinkwasser aus Südafrika zurück.
Aber keine Ahnung, wie er aussieht, so richtig oft ist Julian Hetzel auf deutschen Bühnen noch nicht in Erscheinung getreten. Auch wenn er im Schwarzwald geboren ist, liegt sein Arbeitsschwerpunkt in den Niederlanden. Das Studio Julian Hetzel ist in Utrecht basiert, wo es provokante Grenzübertritte zwischen Bildender Kunst, Performance und Theater inszeniert und international koproduziert. Hetzel spielt in seinen Arbeiten gern mit dem Zynismus westlicher Hilfsbereitschaft, beim ihm wird abgesaugtes Wohlstandsfett zu nach Afrika gespendeten Seifen («Schuldfabrik») oder syrischer Bombenstaub zu Ready-Made-Art im Museum («All inclusive») – Schockmomente und emotionale Ergriffenheit gibt es in ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute August/September 2024
Rubrik: Festivals, Seite 28
von Dorothea Marcus
Im Theater gewesen und wieder was gelernt. Deutschland gönnt sich als Ausrichter der Fußballeuropameisterschaft also ein umfangreiches «Kunst- und Kulturprogramm zur UEFA Euro 2024». Weil es nicht kulturvoll genug ist, wenn Teams aus allen Ecken des Kontinents dem Ball hinterherjagen und sich Zuschauer an der gebotenen Artistik erfreuen? Warum eigentlich nicht?...
Aus der Erinnerung gibt es kein Entkommen, sie vergiftet die Gegenwart in vielen Schichten. Spektakulär und alptraumhaft verschieben sich die Wände, die Andreas Kriegenburg in Düsseldorf als Bühne gebaut hat. Immer neu beleuchtete klaustrophobische Räume wachsen hier wie Lebewesen: Von der einen Seite sind es holzarti -ge Lattenzäune, von der anderen Seite sterile,...
Alles an Thomas Manns «Zauberberg» scheint sich gegen die Bühne zu sträuben, ist doch das Ziel des viele hundert Seiten langen Romans die Übersetzung eines aus den Fugen geratenen Zeitgefühls in Prosa. Trotzdem oder gerade deshalb schafft es dieser Romanklassiker immer wieder auf deutschsprachige Bühnen – kompakt nacherzählt wie im vergangenen Jahr bei Bastian...
