Symbolisch durchgeschüttelt
Mitten hinein also. Das ist die Richtung dieses Abends, der sich selbst wie ein Einschlag ankündigte. Mitten hinein nämlich in die siedende deutsche Debatte rund um Nahost und damit auch in unsere weiterhin die offene Aussprache scheuende Theaterszene. Jetzt aber durfte man Deutliches erwarten beim Gastspiel der neuen Inszenierung von Ofira Henig. Die israelische Regisseurin, regelmäßig in Berlin präsent, gilt nicht bloß als radikale Theatermacherin, sondern auch als ausgemachte Kritikerin der Politik ihres Heimatlandes.
Vor fünf Jahren war sie wegen dieser Ansichten von einigen Kreisen mitverdächtigt worden, als ganz Feuilleton-Deutschland über BDS- und Antisemitismus-Vorwürfe bei der Ruhrtriennale diskutierte.
Es lag also was in der Luft, und wohl auch deshalb hatten ungewöhnlich viele prominente Berliner Theatergesichter den Weg ins kleine Theater im Kreuzberger Aufbauhaus gefunden, wo «Terribly Human» gezeigt wurde. Direkt zum Kern der Sache kommt man dann auch auf der Bühne, allerdings anders, als manche erwartet haben dürften. Ofira Henig hat sich das letzte Stück des 2016 verstorbenen israelischen Autors Gilad Evron vorgenommen. Eine dramaturgisch entfernt an Sartre oder ...
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Theater heute August/September 2024
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Janis El-Bira
Der Anfang war holprig, das Ende glanzvoll. Die Eröffnungsinszenierung der Intendanz Stefan Bachmanns in Köln war: «Der nackte Wahnsinn», wirklich. Michael Frayns parodistische Vignette über den Theateralltag wurde 2013 auf der 27-Meter-Bühne in der leeren Fabrikhalle in Köln-Mülheim zum Breitwandformat aufgeblasen, als wollte man Orson Welles’ «Citizen Kane» in...
Er muss schon ein rechter Kotzbrocken gewesen sein, dieser Märchenonkel. «Der arme Andersen war lästig, die schlimmste Last aber blieb er sich selbst», schreibt der Literaturkritiker Michael Maar in seinem Buch «Leoparden im Tempel» über den Dichter Hans Christian Andersen. Und weiter: «Durch heillosen Egozentrismus fiel er noch den geduldigsten Gastgebern zur Last...
Wir leben. Wir leben. Hauptsache, wir leben, und viel mehr ist es auch nicht als leben nach Verlassen der heiligen Heimat. Keiner schaut gnädig herab auf unseren Zug, aber auf uns herabschauen tun sie gern. Wir ohen, von keinem Gericht des Volkes verurteilt, von allen verurteilt dort und hier. Und hier sitzen wir jetzt herum, Heilige, außer Dienst gestellt. Worauf...
