Symbolisch durchgeschüttelt
Mitten hinein also. Das ist die Richtung dieses Abends, der sich selbst wie ein Einschlag ankündigte. Mitten hinein nämlich in die siedende deutsche Debatte rund um Nahost und damit auch in unsere weiterhin die offene Aussprache scheuende Theaterszene. Jetzt aber durfte man Deutliches erwarten beim Gastspiel der neuen Inszenierung von Ofira Henig. Die israelische Regisseurin, regelmäßig in Berlin präsent, gilt nicht bloß als radikale Theatermacherin, sondern auch als ausgemachte Kritikerin der Politik ihres Heimatlandes.
Vor fünf Jahren war sie wegen dieser Ansichten von einigen Kreisen mitverdächtigt worden, als ganz Feuilleton-Deutschland über BDS- und Antisemitismus-Vorwürfe bei der Ruhrtriennale diskutierte.
Es lag also was in der Luft, und wohl auch deshalb hatten ungewöhnlich viele prominente Berliner Theatergesichter den Weg ins kleine Theater im Kreuzberger Aufbauhaus gefunden, wo «Terribly Human» gezeigt wurde. Direkt zum Kern der Sache kommt man dann auch auf der Bühne, allerdings anders, als manche erwartet haben dürften. Ofira Henig hat sich das letzte Stück des 2016 verstorbenen israelischen Autors Gilad Evron vorgenommen. Eine dramaturgisch entfernt an Sartre oder ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute August/September 2024
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Janis El-Bira
Das Schauspiel der Salzburger Festspiele startet unter einer neuen Leitung: Marina Davydova, die aus Moskau fliehen musste, kuratiert an der Salzach.
Dea Loher ist wieder da und hat nach 14 Jahren ein neues Stück geschrieben: «Frau Yamamoto ist noch da». Der Stückabdruck!
Die Redaktion macht Sommerpause und ist ab 20. August wieder erreichbar!
Das Jahrbuch Theater...
Aus der Erinnerung gibt es kein Entkommen, sie vergiftet die Gegenwart in vielen Schichten. Spektakulär und alptraumhaft verschieben sich die Wände, die Andreas Kriegenburg in Düsseldorf als Bühne gebaut hat. Immer neu beleuchtete klaustrophobische Räume wachsen hier wie Lebewesen: Von der einen Seite sind es holzarti -ge Lattenzäune, von der anderen Seite sterile,...
Das Patriarchat ist tot. Bleich und leblos liegt es (Sigmund Peter/Rainer Böhme) auf dem von schwarzen Stofffetzen übersäten Bühnenboden des Schauspiels Frankfurt. Es handelt sich um den Vater der vier Brüder Karamasow, Fjodor: ein unerträglicher Schwätzer, Schmarotzer und Schürzenjäger, der seine Frauen systematisch in die Verzweiflung getrieben hat. In...
