Was von der Romantik übrig bleibt
Achim Freyer tollt beim enthusiasmierten Premierenapplaus auf der Bühne herum wie ein Kind, das zum ersten Mal Schnee sieht. Am rechten Fuß einen blauen, am linken einen gelben Schuh. Solch kindliche Freude scheint auch seine Bühnenadaption von E.T.A. Hoffmanns romantischer Novelle «Der goldene Topf» von 1814 befeuert zu haben. Freude über die Möglichkeit, sich kreativ vor allem in den Kostümen auszuleben.
Der 85-jährige Regisseur, Bühnen- und Kostümbildner hat aus Hoffmanns erfolgreichster Prosa im Stuttgarter Staatstheater eine tatsächlich quietschvergnügte Albtraumszenerie gemacht. Alle Neune des Ensembles wechseln ständig Kleider und Masken.
Tod im Tutu
Freyers trashiges Schaubuden-Personal kennt man in Stuttgart, wo er in den 1970er und 80er Jahren Riesenerfolge feierte: So stattete er den Peymann-«Faust» aus, inszenierte an der Staatsoper die Philip-Glass-Trilogie und den «Freischütz». Und auch was sich jetzt alles an Kreaturen auf der Drehbühne des Schauspielhauses tummelt, ist wahrlich kurios: eine riesige Frau etwa, auf der oben ein winziger Puppenkopf steckt, Geschöpfe mit einem Verkehrsleitkegel auf dem Kopf oder einer Kaffeekanne, der Tod im Tutu, Langnasen, ...
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Theater heute Juli 2019
Rubrik: Aufführungen, Seite 16
von Verena Großkreutz
David Bowie ist das große Ziel der Geschichte von Alexander Kühnes Debütroman «Düsterbusch City Lights». 2016 erschienen, ist er so etwas wie das Ex-DDR-Pendant zu Rocko Schamonis «Dorfpunks». Der Roman erzählt das Leben von Anton Kummer, dessen größter Wunsch es ist, im fiktiven Dorf Düsterbusch einen großen Szene-Club zu etablieren, in dem David Bowie auftreten...
Der arme Michael hatte ja kürzlich gemeinsam mit dem Ingo Premiere an Urvater Olivers Theaterstätte. Ein Klassiker von William über einen schwarz angemalten Mann, der aus Wut darüber, dass er ein Taschentuch findet, seine schöne, jüngere Frau ermordet», lästern Anne Haug und Melanie Schmidli (Projekt Schooriil) in ihrer Theater-Miniatur «Let the Fame Grow». «Früher...
Das Foyer des Bremer Theaters hat sich in ein Pop-up-Restaurant verwandelt. Holztische stehen dicht an dicht, an den Wänden hängen bunte Plakate, arabischer Pop dudelt, hinter einer Bar köchelt scharfe Erdnusssoße. Alles wirkt auf undurchsichtige Weise gleichzeitig koordiniert und improvisiert, ähnlich den Kaschemmen, die man in Asien und Lateinamerika häufig am...
