Was uns in die Scheiße geritten hat ...
Ich bin gebeten worden, über etwas zu schreiben, das mich wütend macht, und angesichts der Welt, wie sie ist, befinde ich mich ohnehin fast ständig in einem Zustand von anschwellender Wut. Es sollte also nicht schwierig sein. Aber seltsamerweise werde ich nicht über etwas schreiben, das mich ärgert, sondern über etwas, das mich verwirrt. Schon dieser Umstand macht mich wütend, weil es mir dauernd passiert: Ich erzähle einem Theater, dass ich ihnen ein Stück zu einem Thema schreibe, zwei Jahre später ist es ein völlig anderes.
Ich streite mich mit jemand, und wenn er mir endlich recht gibt, fang ich von vorne an und argumentiere gegen das, was ich ursprünglich gesagt habe. Es ist pervers, ich bin wie ein durchgeknalltes Kind. Aber was jetzt kommt, geht mir wirklich nahe. Es verwirrt mich einfach total.
Also – wo zum Teufel steckt die Linke in Europa? Nach einem gigantischen Beinahe-Zusammenbruch der Ökonomie, herbeigeführt durch verantwortungsloses privatwirtschaftliches Handeln (im letzten Moment aufgehalten durch etwas so Linkes wie staatliches Eingreifen), gibt es in Europa fast nirgends eine linke Regierung. Die Leute gehen auf die Straße, Renten werden gekürzt, Millionen ...
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Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Dennis Kelly, Seite 25
von Dennis Kelly
Nur der Deutsche kann den Wutbürger erfinden. Im Deutschunterricht nannte man so etwas ein Oxymoron: ein Wort aus zwei gegensätzlichen Begriffen. Aber der Deutsche kann eben nicht einfach wütend sein, ohne dabei Bürger zu bleiben. Wäre er, der deutsche Bürger, nur wütend und sonst nichts, drohte ein noch viel größeres Problem als das seiner Wut, nämlich der Verlust...
Die große Wut hatte ich vor etwa 20 Jahren. Das Theater war leidenschaftslos, verbeamtet, routiniert, beschäftigte sich vor allem mit sich selbst. Ich hatte die Nase voll, schmiss alles hin, flüchtete nach Paris, ließ alles liegen.
Wut macht rücksichtslos, aber Wut gehört zur Freiheit. Menschen, die Wut nicht kennen oder Wut nicht wagen oder sie fürchten, langweilen...
Jens Harzer
Allein wie Jens Harzer am Thalia Theater den zu Tode zitierten Posa-Satz sagt von der Gedankenfreiheit, ist den ganzen «Don Carlos» wert – leicht, spielerisch, verführerisch, mit einer lässigen Handbewegung und seinem schiefen Lächeln, als sei das kein großes Ding. Anke Dürr
Seinen Ruhm hat Jens Harzer sich erspielt als fantastischer Alien des deutschen...
