Was uns in die Scheiße geritten hat ...
Ich bin gebeten worden, über etwas zu schreiben, das mich wütend macht, und angesichts der Welt, wie sie ist, befinde ich mich ohnehin fast ständig in einem Zustand von anschwellender Wut. Es sollte also nicht schwierig sein. Aber seltsamerweise werde ich nicht über etwas schreiben, das mich ärgert, sondern über etwas, das mich verwirrt. Schon dieser Umstand macht mich wütend, weil es mir dauernd passiert: Ich erzähle einem Theater, dass ich ihnen ein Stück zu einem Thema schreibe, zwei Jahre später ist es ein völlig anderes.
Ich streite mich mit jemand, und wenn er mir endlich recht gibt, fang ich von vorne an und argumentiere gegen das, was ich ursprünglich gesagt habe. Es ist pervers, ich bin wie ein durchgeknalltes Kind. Aber was jetzt kommt, geht mir wirklich nahe. Es verwirrt mich einfach total.
Also – wo zum Teufel steckt die Linke in Europa? Nach einem gigantischen Beinahe-Zusammenbruch der Ökonomie, herbeigeführt durch verantwortungsloses privatwirtschaftliches Handeln (im letzten Moment aufgehalten durch etwas so Linkes wie staatliches Eingreifen), gibt es in Europa fast nirgends eine linke Regierung. Die Leute gehen auf die Straße, Renten werden gekürzt, Millionen ...
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Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Dennis Kelly, Seite 25
von Dennis Kelly
Keine große Überraschung: Elfriede Jelineks «Winterreise» ist das Stück des Jahres! Eine Text-Reise, frei nach Schuberts Liederzyklus, von gegenwärtigen Ereignissen zu sehr persönlichen Stationen ihrer Biografie. In «Ein Parasitärdrama» erläutert Elfriede Jelinek ihr Angestellten-Verhältnis zur Wirklichkeit.
Eine große Überraschung: Nurkan Erpulats und Jens Hilljes...
I.
Dem Wunsch der Redaktion nach einem Wutanfall und ungezügelter Wut muss ich wie folgt begegnen: Selbst mir, dem durch sich abwechselnde und ergänzende Ungeduld und Verschlafenheit viel entgeht, konnte unmöglich entgehen, dass ich mich durch eigenes Zutun offensichtlich zum Wutlieferanten qualifiziert habe.
Dazu ist zunächst einmal anzumerken, dass es mir...
Was, euch gibt’s noch? Ich dachte, die haben den Laden schon längst dichtgemacht ...!» Mit dem Gestus des allergrößten Erstaunens bekommen diesen Satz seit mehr als einem Jahr die Beschäftigten der Wuppertaler Bühnen beinahe täglich zu hören. Nicht nur landauf, landab in Kneipen und Theaterkantinen oder in Telefongesprächen, sogar in der eigenen Stadt wird man...
