Was tun? Oder nichts tun?
Wer hätte gedacht, dass Shakespeares Hamlet einmal die Herausforderungen einer Weltfinanzkrise bestehen muss? Ausgerechnet Hamlet, einer der ersten dramatischen Europäer, der anfängt, auf offener Bühne über sich nachzudenken und prompt zu keinem klaren Entschluss mehr findet. Ausgerechnet Hamlet, der nicht einmal den Mord an seinem Vater rächen kann, ohne ein ganzes Königreich ins Verderben zu reißen. Ausgerechnet Hamlet, der, wenn er endlich mal zum Degen greift, zielsicher den Falschen absticht.
Andererseits hat die Stückwahl ihren Reiz: Schließlich haben sich gerade die entscheidungsstrotzenden Masters of the Universe von der Wall Street als jämmerliche Versager erwiesen.
Filbingers Stuttgarter Erbe
Der junge Dänenprinz, der nicht so recht weiß, was er tun soll, braucht jedenfalls Orientierung. Und Volker Lösch, immer für eine starke Regie-Hand gut, sorgt in Stuttgart wie gewohnt für klare Perspektiven. Die zündende Schlüsselidee für seine Inszenierung hat er sich bei dem lokalen Bildhauer Peter Lenk ausgeborgt. Lenk, ein figurativer Gestalter mit einem Hang zum Karnevalsscherz, hat schon Martin Walser für seinen Heimatort Überlingen als muffigen Reiter mit ältlichen ...
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Seit 19 Jahren leitet René Gonzales das Théâtre de Vidy in Lausanne und hat es zu einer in Europa einzigartigen Produktionsstätte gemacht. Das Haus hat kein eigenes Ensemble, aber es produziert und koproduziert unentwegt – bis zu drei Dutzend Inszenierungen sind pro Spielzeit zu sehen, und mit den vielen Gastspielen in aller Welt kommt das Theater auf gut 400...
Herr Keriakous, der Grieche, übertreibt es mit der Liebe für seine verstorbene Frau, findet «der Vater» in Dennis Kellys Szenencollage «Liebe und Geld». Wer Geld hat, viel Geld, kann die Liebe zu einer Toten in Marmor, Stein und Eisen gießen und einen Tempel auf ihr Grab setzen, aber dass dieses griechische Privatmonument einen ungehörigen Schatten auf die letzte...
Wie war das noch? Ein Männlein steht im Walde … Nein, eigentlich sind es eine ganze Menge Männlein und Weiblein, die im neuesten Stück der 26-jährigen österreichischen Autorin Gerhild Steinbuch buchstäblich und metaphorisch im Wald stehen. Und selbst wenn Hoffmann von Fallerslebens Kinderlied weder in Text noch Inszenierung vorkommt, gibt es doch ein passendes...
