Was Theater ausmacht
Auf dem Spielplan des HAU kündigten wir für den 8. April 2008 ein Stück mit dem Titel «Hauptversammlung» an. Es begann recht früh am Tag. Schon auf dem Weg zum Berliner Messegelände, dem Aufführungsort, konnte man die anderen Besucher*innen ausmachen: Knapp 6000 Aktionär*innen hatten sich in Bewegung gesetzt.
An diesem Tag können sie es anfassen: ihr Unternehmen. Es gehört ihnen – wenn auch nur zu einem klitzekleinen Teil. An diesem Tag muss sich die Leitung des Unternehmens zeigen – sichtbar machen. Sich den Eigentümer*innen stellen.
150 Besucher*innen waren der Einladung des Theaters gefolgt. Sie waren gekommen, um das Kapital performen zu sehen, um eine Rolle einzunehmen, um zu bezeugen, zu verstehen, zu agieren, um teilzuhaben, um ein Theaterstück zu erleben.
Vor den Eingangstüren der Messe haben sich Gewerkschaftsmitglieder Masken des Vorstandsvorsitzenden Zetsche übergezogen und protestieren. Im Foyer überprüft Sicherheitspersonal Identitäten und durchleuchtet Taschen. Auf den Fluren bilden sich vor den neuesten hochpolierten Firmenprodukten schon kleine Schlangen. Kurz noch ein Gratis-Kaffee und ein Gratis-Croissant. Dann Platz nehmen zwischen den anderen.
Auf der Bühne ...
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Theater heute Jahrbuch 2020
Rubrik: Antworten auf die Zukunft, Seite 64
von Helgard Haug/Rimini Protokoll
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