Was Sie noch immer über Sex wissen wollen
Darf man mit jemandem Sex haben, auf dessen Nachtkästchen ein Exemplar von «Mein Kampf» liegt? Und ist es umgekehrt okay, nicht mit einem Typen zu schlafen, obwohl der so freundlich war, einem die halbe Wohnung auszumalen? Mit solchen Fragen beschäftigt sich die amerikanische Autorin Patty Kim Hamilton in «Sex Play», ihrem ersten im deutschsprachigen Raum uraufgeführten Stück. Hamilton, die zum Teil in Deutschland aufgewachsen ist, hat an der Stanford University den Bachelor in Theater and Performance Studies gemacht und studiert an der UdK in Berlin Szenisches Schreiben.
Die Textgenese von «Sex Play» ist etwas kompliziert: Hamilton hat zuerst eine erste Fassung auf Deutsch geschrieben und davon eine englische Rohübersetzung anfertigen lassen, die von der Autorin dann stark bearbeitet wurde. Unter Mithilfe ihrer Studienkolleginnen Lisa Wentz und Sofiya Sobkowiak erstellte Hamilton anschließend eine Rückübersetzung ins Deutsche, die sie schließlich nochmals überarbeitete.
Das Ergebnis, dem man diese aufwendige Prozedur nicht anmerkt, ist eine lose Folge aus 20 kleinen Szenen und Monologen zum Thema. In der Grazer Uraufführungsinszenierung – zehn Tage vor der Premiere hat Daniel ...
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Theater heute 1 2023
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Wolfgang Kralicek
Racines «Phaedra» spielt man am liebsten auf Eis (wie Martin Kušej 2017 in München) oder zumindest auf weißem Sand (Johannes Schütz in Köln 2011): kunstvoll kristallisierte frostige Sprache gegen heiße Gefühle. Aber Ersan Mondtag erhitzt die Tragödie, bis sie in Sprechblasen zerplatzt. Aus zu viel Ernst wird zu viel Spaß.
Ersan Mondtags Bühne ist eine vergrößerte,...
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