Aneignung und Anerkennung

Das australische Back to Back Theater erhält den hochdotierten Ibsen-Theaterpreis

Theater heute - Logo

Vor zehn Jahren hätte das Ensemble aus dem australischen Geelong diesen Preis vermutlich noch nicht erhalten: Der «Ibsen Award», vergeben am Nationaltheater Oslo, der Arbeitsstätte des norwegischen Großdramatikers, ist der höchstdotierte Theaterpreis der Welt, wird gerne «Nobelpreis des Theaters» genannt (auch wenn die knapp 260.000 Euro bei weitem nicht an dessen Preisgeld heranreichen) und gerne an lebende Legenden verliehen; Peter Brook und Ariane Mnouchkine gewannen ihn schon. Nur bei Peter Handke 2014 gab es massive politische Proteste in Oslo.

 

Die Verleihung an ein inklusives Ensemble, das zwar einen nicht-behinderten Regisseur (Bruce Gladwin) und auch nicht-behinderte Schauspielgäste hat, ansonsten aber seine eigenen Themen setzt, markiert nun vielleicht auch einen Quantensprung in der Debatte um Reprä -sentation im Theater: Wer hat das Recht, für wen zu sprechen, wer erhält ein Forum? Die Preisverleihung am blau glänzenden September-Sonntag am Nationaltheater Oslo, das mit Stuck, rotem Samt und Goldverzierung immer noch so aussieht wie zu Ibsens Zeiten (auch wenn es leider manchmal durch die Decke regnet), holt diese Fragen auch in die Zeremonie herein: Weil das Back to ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute 1 2023
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Dorothea Marcus

Weitere Beiträge
Der suggestive Mittelpunkt

Der Titel «Das Regiebuch. Zur Lesbarkeit theatraler Produktionsprozesse in Geschichte und Gegenwart» verspricht eine eher abschreckend verschraubte theaterwissenschaftliche Abhandlung, erweist sich aber als ein anregendes, gut lesbares Standardwerk über Regiebücher vom Mittelalter bis in unsere unmittelbare Gegenwart. Die Beiträge des von Martin Schneider...

Premieren im Januar 2023

FRANKFURT/MAIN, SCHAUSPIEL 
20. nach Dostojewskij, Life is but a dream 
R. Barbara Bürk 
21. Magal, 10 odd emotions (U) 
R. Saar Magal

FREIBERG/DÖBELN, MITTELSÄCHSISCHES THEATER 
3. Abdel-Maksoud, Café Populaire 
R. Nils Braun

FREIBURG, THEATER 
20. Andrejew, Hinauf zu den Sternen 
R. Nicolas Charaux

GÖTTINGEN, DEUTSCHES THEATER 
21. Sokola, Pirsch (U) 
R....

Frauen der Tat

Die Zeit scheint einen Augenblick stillzustehen im rasanten Lauf der Ereignisse: wenn Sylvana Krappatsch als Annette aus ihrem Schatten heraustritt, ihm sachte zuwinkt, dann mit kleinen, aber kräftigen Flatterbewegungen abzuheben, ja, einen winzigen Moment über dem Boden zu schweben scheint, als ziehe sie eine unsichtbare Hand am Schlafittchen nach oben – um sie...