Was können wir noch?
Die Frage, die ich in den letzten Wochen der Pandemie am häufigsten von befreundeten Theatermacher*innen gehört habe, war die Sinnfrage. Sie war uns sonst nicht eigen. Theatermenschen wissen meistens, was zu tun ist: Theater machen. Und oft wissen sie sogar, warum: weil Theater einen Unterschied macht.
Natürlich gibt es auch in unserer Branche – wie in jeder Kunstsparte und in jedem Gewerbe außerhalb der Kunst – die Sinnentleerten, die Egomanen, deren Arbeit entweder aus der Langeweile heraus entsteht oder von dem Privileg konstituiert wird, einfach irgendetwas machen zu können, weil es sich gerade anbietet und die Umstände günstig sind.
Unter meinen Freund*innen ist vor Covid–19 die Frage «Warum machen wir Theater?» oder «Was mache ich hier in diesem dunklen Proberaum?» nie gefallen. Wir produzierten Theaterabende, die darauf zielten, auf die Gesellschaft Einfluss zu nehmen und sie Schritt für Schritt, in Millimeterarbeit, zu verändern. Die letzten Jahre (am Ballhaus Naunynstraße und dann am Gorki Theater Berlin) zeigten, dass es funktionieren kann – und der Beweis dafür waren nicht die Auszeichnungen der Kulturszene, sondern dass andere Körper die Bühnen deutscher Staats- und ...
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Theater heute Jahrbuch 2020
Rubrik: Antworten auf die Zukunft, Seite 36
von Sasha Marianna Salzmann
Sie sind dreizehn. Sie sind Tänzerinnen. Sie sind ambitioniert. Sie sind Freundinnen. Sie sind Konkurrentinnen. Sie entdecken ihren Körper, und ihr Körper entdeckt sie. Sie sind voller Kraft. Sie wollen siegen. Zusammen sind sie eine kleine Armee. Zuzu, Ashlee, Amina, Conny, Sofia, Maeve und Luke. Sie wollen die Welt verändern, und sie könnten es; ob es gelingt –...
Leicht und heiter ist der Beginn, schwer und düster das Ende von Thomas Freyers neuem Stück. In drei ganz unterschiedlich strukturierten Teilen geht Freyer der Frage nach, woher rassistisch motivierte Gewalt in unserer Gesellschaft kommt. Pointiert und dialogisch geschrieben, ähnelt der erste Teil einer Exposition zu einer Gesellschaftskomödie à la Yasmina Reza....
Wolfgang Kralicek Herr Voges, als Sie im April 2019 von der Stadt Wien eingeladen wurden, sich für die Intendanz des Volkstheaters zu bewerben, hatten Sie es noch nie von innen gesehen. Wann waren Sie denn zum ersten Mal drin?
Kay Voges Das war im Mai letzten Jahres. Damals lief gerade nichts, weil das Haus an die Wiener Festwochen vermietet war, Ersan Mondtag...
