Was fehlt, ist das Jauchzen
Herfried Münklers Problemwarnung ist scheinbar zweigeteilt. Zum einen mahnt er die fehlende Eigenverantwortung durch Dezentralisierung der Demokratisierung an – ganz konkret die scheinbare Unmöglichkeit eines funktionierenden EU-Parlaments. Zweitens die Wegdelegierung des eigenen Engagements aus historisch gewachsenen demokratischen Organisationen wie Parteien und Gewerkschaften in neuere unverantwortlichere Strukturen wie NGOs, die nach Münkler lediglich mit Geld gefüttert und nicht durch eine authentische Teilhabe beglaubigt werden.
Und schließlich beschwört er die Aristokratisierung dieser neuen Organisationen durch fehlende Kontrollmechanismen, woraus die mehr oder minder schleichende Erosion der bürgerlichen Demokratie insgesamt folgt.
Natürlich ist das richtig, dem ist nichts hinzuzufügen, außer vielleicht mehr oder weniger spannende Berichte über Korruption und Amtsanmaßung sowie die einschlägigen Klagen der Kulturarbeiter, wie viele Jahre das eine oder andere Theater davon leben könnte, wenn es das Geld bekäme, was gerade die da oben veruntreut haben.
Was mich dennoch stört an diesen Aussagen, ist der verhaltene Kulturpessimismus, will sagen, wenn schon Kulturpessimismus, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ein Leben als Heldin ist nicht so einfach für jemand, der aus Neuss stammt. Das Mittelmaß der Mittelstadt von der anderen Rheinseite führt am Düsseldorfer Schauspielhaus in Martin Heckmanns’ Stück «Hier kommen wir nicht lebendig raus. Versuch einer Heldin» zu einem Lebensentwurf, in dem «Schmerz besser ist, als nie
gelebt zu haben». Hermann Schmidt-Rahmer...
Es ist natürlich eine sehr griffige Formulierung, zu behaupten, dass die Demokratie durch Demokratisierung zerstört wird oder, um es etwas genauer zu formulieren: Mehr Demokratie im quantitativen Sinne bedeute noch keine verbesserte Demokratie. Aber gehen wir erst einmal den Gedanken mit, dass unsere Demokratie durch mehr Demokratisierung bedroht ist.
Unsere...
Vielleicht erklärt die alte Cécile aus «Quai West» an diesem langen, dunklen Abend am besten, was Andrea Breth mit ihrer Inszenierung ausdrücken wollte. Sie fühle sich, sagt die Nachfahrin von Inka-Indianern, «wie eine Fliege, die im Schrank eingesperrt ist und am Ende des Tages stirbt, ohne dass der Schrank auch nur einen Spaltbreit aufgegangen wäre».
Aus Mexiko...
