Den Ruhrpott mit der Seele suchen
Auf dem Nachttisch steht eine Schale mit Obst und Schokolade. Auch an eine Wasserflasche und Bettlektüre haben die aufmerksamen Gastgeber gedacht: Neben einem Bildband über die schönsten Strände – für eine Irrfahrerin im Geiste des Odysseus keinesfalls unerheblich – liegt Ralf Rothmanns Erzählband «Rehe am Meer».
Von dem inzwischen in Berlin lebenden Ruhrgebietsschriftsteller hat Jugendtheater-Schauspieler Till dem Gast aus der Hauptstadt schließlich schon vorgeschwärmt, als wir mittags auf dem Weg von Essen nach Bochum gute 90 Minuten auf der A 40 – dem «längsten Parkplatz des Ruhrgebiets» – steckengeblieben sind.
Nachts zu Gast bei Unbekannten
Till und seine Freundin, die Kinderpsychologin Irina, gehören zum Mammuttheaterprojekt «Odyssee Europa», das die Kulturhauptstadt Ruhr 2010 gemeinsam mit sechs regionalen Schauspielhäusern und der Agentur raumlabor berlin veranstaltet. Denn wer möchte, bucht nicht nur sechs zeitgenössische Theateraufführungen samt einer zweitägigen «Irrfahrt durch die Zwischenwelt», sondern auch eine Übernachtung bei Unbekannten. Diese Gastgeber stellen dann Nachtlager und Frühstück, kutschieren die Reisenden zum Theater und weisen sie unterwegs auf die ...
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Gott hat es nicht leicht in anglophonen Theaterstücken. Zumindest der Engländer Simon Stephens und der Ire Enda Walsh bringen in ihren aktuellen Werken in der Hauptsache Beweise gegen seine Existenz vor. Ein Kind stirbt, weil es beim Spielen von einer Klippe fällt. Ein obszöner Vater wird von einem unbekannten Sohn getötet. Familien zerfallen, Selbstmorde und...
Es ist natürlich eine sehr griffige Formulierung, zu behaupten, dass die Demokratie durch Demokratisierung zerstört wird oder, um es etwas genauer zu formulieren: Mehr Demokratie im quantitativen Sinne bedeute noch keine verbesserte Demokratie. Aber gehen wir erst einmal den Gedanken mit, dass unsere Demokratie durch mehr Demokratisierung bedroht ist.
Unsere...
Ganz schön abgezockt: Da gewinnt ein Jungautor gleich mit seinem Debüt den Werkauftrag des Theatertreffen-Stückemarktes – und dann lässt er in eben diesem Auftragsstück einen Jungautoren, dessen Biografie an seine eigene erinnert, ausgiebig über das kreativitätsfeindliche Stückauftragswesen jammern.
Zunächst scheint es um die Unsinnigkeiten eines Theatermarktes zu...
