Den Ruhrpott mit der Seele suchen

Das Mammuttheaterprojekt «Odyssee Europa» führt seine Gäste durch sechs zeitgenössische Odysseus-Stücke, die Metropolenregion Ruhr 2010 und in die Privatquartiere gastfreundlicher Pottbewohner

Theater heute - Logo

Auf dem Nachttisch steht eine Schale mit Obst und Schokolade. Auch an eine Wasserflasche und Bettlektüre haben die aufmerksamen Gastgeber gedacht: Neben einem Bildband über die schönsten Strände – für eine Irrfahrerin im Geiste des Odysseus keinesfalls unerheblich – liegt Ralf Roth­manns Erzählband «Rehe am Meer».

Von dem inzwischen in Berlin lebenden Ruhrgebietsschriftsteller hat Jugendtheater-Schauspieler Till dem Gast aus der Hauptstadt schließlich schon vorgeschwärmt, als wir mittags auf dem Weg von Essen nach Bochum gute 90 Minuten auf der A 40 – dem «längsten Parkplatz des Ruhrgebiets» – steckengeblieben sind.
 

Nachts zu Gast bei Unbekannten

Till und seine Freundin, die Kinderpsychologin Irina, gehören zum Mammuttheaterprojekt «Odyssee Europa», das die Kulturhauptstadt Ruhr 2010 gemeinsam mit sechs regionalen Schauspielhäusern und der Agentur raumlabor berlin veranstaltet. Denn wer möchte, bucht nicht nur sechs zeitgenössische Theateraufführungen samt einer zweitägigen «Irrfahrt durch die Zwischenwelt», sondern auch eine Übernachtung bei Unbekannten. Diese Gastgeber stellen dann Nachtlager und Frühstück, kutschieren die Reisenden zum Theater und weisen sie unterwegs auf die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute April 2010
Rubrik: Aufführungen, Seite 22
von Eva Behrendt

Vergriffen
Weitere Beiträge
Augen auf!

Hundert Millionen Euro, immerhin ein Drittel des hauptstädtischen Kulturbudgets, wandert in Berlin in die drei staatseigenen Opernhäuser. Davon wird ein beträchtlicher Batzen vergeudet für ewige Toscas sowie diverse Dirigenten-, Regisseurs-, Intendanten-Eitelkeiten. Denn ein jeder macht am liebsten Oper für sich, anstatt in konzertierter Aktion Oper für die Stadt....

Sumpfgebiet

Norma ist Verkäuferin in einer Filiale des gleichnamigen Discounters, in der schon mal solche Typen wie der Paul auftauchen. Paul war mal Polizist, jetzt allerdings nennen die anderen ihn schlicht «Säufer», und dann gibt er auch noch eine jener ach so typischen Mannheimer Geschichten zum besten: Achmet, so erzählt er, lebe in einem der balkanischen Quadrate der...

Barbara Weber «Bonnie und Clyde», Chris Kondek/Christiane Kühl «

Mythen sind etwas Schönes, man kann sie immer wieder plündern, und es bleibt doch noch was übrig. Nach diesem Prinzip hat die Regisseurin Barbara Weber mit einer Serie freier Low-budget-Produktionen unter dem Label «Unplugged» gleich zu Beginn ihrer Karriere weithin sichtbare Signale gesetzt, indem sie Hollywood-Mythen, Popstars und Polit-Ikonen im Hinblick auf die...