Walhalla brennt
Arbeitet euch nicht an Wagner ab», schreibt Caren Jeß in ihrem Stück «Die Walküren», «arbeitet euch an eurer Rezeption ab.» Okay, wird gemacht. Ein besonders interessantes Beispiel für die Irrwege der Richard-Wagner-Rezeption ist die «Gruppe Wagner», ein privates Militär- und Sicherheitsunternehmen, das 2014 von den russischen Unternehmern Jewgeni Prigoschin und Dmitri Utkin gegründet wurde und das weltweit paramilitärische Aktionen durchführt, oft in enger Abstimmung mit der russischen Militärführung.
Mit anderen Worten: Söldner mit engen Verbindungen in die Unterwelt- und Neonazi-Szene werden dort tätig, wo der Einsatz der offiziellen Armee diplomatisch fatal wäre. Mitte 2023 rebellierte die Söldnerarmee gegen die Regierung Russlands, weil sie sich beim gemeinsam mit der russischen Armee durchgeführten Angriff auf die Ukraine nicht ausreichend ausgestattet sah. Der «Marsch auf Moskau» wurde nach einigen Tagen abgebrochen, dennoch verlor die Gruppe Wagner in der Folge an Bedeutung; Prigoschin, Utkin und weitere Führungskader kamen zwei Monate später, am 23. August 2023, bei einem geheimnisumwitterten Flugzeugabsturz ums Leben.
«Gruppe Wagner» beziehungsweise «Gruppa Vagnera» – ...
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Theater heute Juni 2025
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Falk Schreiber
Eine fahle Projektion auf dem schwarzen Bühnenvorhang im Akademietheater verrät es vorab: In «Die Wurzel aus Sein» schreibt Autor Wajdi Mouawad über sich selbst. Gleichwohl entwirft das Stück des 1968 im Libanon geborenen Kanadiers eine besondere Variation des Genres Autofiktion: Mouawad schildert nicht, wie sein Leben war, sondern wie es hätte sein können.
Da...
In Folge 9 kommt Thomas Mann höchstpersönlich zu Wort, in seinem unverkennbar salbungsvoll-knarrigem Ton, in dem er schon 1953 eine Utopie beschwor: die «von einem geeinigten Europa mit einem wiedervereinigten Deutschland in seiner Mitte. Einem Deutschland, das den Gedanken eines deutschen Europa hat fahren lassen, sondern –». Da wird ihm der Stecker gezogen.
In...
Auf den ersten Blick scheint es dem israelischen Dramatiker Hanoch Levin um die Komödie einer dezent gestörten Familie zu gehen, als er Spielfiguren ins Rennen schickte, die entfernte Verwandte von Becketts existenzialistischen Vergeblichkeitsclowns sein könnten. Das war 1972, Israels Premierministerin hieß Golda Meir, und der Sechstagekrieg, in dessen Verlauf...
