Walhalla brennt
Arbeitet euch nicht an Wagner ab», schreibt Caren Jeß in ihrem Stück «Die Walküren», «arbeitet euch an eurer Rezeption ab.» Okay, wird gemacht. Ein besonders interessantes Beispiel für die Irrwege der Richard-Wagner-Rezeption ist die «Gruppe Wagner», ein privates Militär- und Sicherheitsunternehmen, das 2014 von den russischen Unternehmern Jewgeni Prigoschin und Dmitri Utkin gegründet wurde und das weltweit paramilitärische Aktionen durchführt, oft in enger Abstimmung mit der russischen Militärführung.
Mit anderen Worten: Söldner mit engen Verbindungen in die Unterwelt- und Neonazi-Szene werden dort tätig, wo der Einsatz der offiziellen Armee diplomatisch fatal wäre. Mitte 2023 rebellierte die Söldnerarmee gegen die Regierung Russlands, weil sie sich beim gemeinsam mit der russischen Armee durchgeführten Angriff auf die Ukraine nicht ausreichend ausgestattet sah. Der «Marsch auf Moskau» wurde nach einigen Tagen abgebrochen, dennoch verlor die Gruppe Wagner in der Folge an Bedeutung; Prigoschin, Utkin und weitere Führungskader kamen zwei Monate später, am 23. August 2023, bei einem geheimnisumwitterten Flugzeugabsturz ums Leben.
«Gruppe Wagner» beziehungsweise «Gruppa Vagnera» – ...
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Theater heute Juni 2025
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Falk Schreiber
Das ärmliche graue Haus, beleuchtet von einer trostlosen Straßenlaterne, an der ein Fahrrad lehnt, steht nicht in Westeuropa, auch nicht in Athen. Sondern in der osteuropäischen Provinz auf dem Balkan. Vor dem Haus steht eine alte Frau mit langem weißen Haar. Aus dem Haus hören wir die Schreie einer Geburt. Die wenigen Gegenstände in der dunklen Weite einer Bühne –...
Alles ganz schön eng hier. Die Stuhlreihen für die Zuschauer, der Denkhorizont im Dorf, das Hundegeschirr, die Fluchtwegschluchten. Umhegt wird die Enge von Maschendrahtzaun, mindestens mannshoch, die Gittertüren scheppern im Geviert. Ein Land wie ein Zwinger, raus oder rein geht’s niemals unkontrolliert.
Andererseits: Alles ganz schön clean hier. Die beiden...
Bevor sich der Vorhang hebt, ist das ganze Theater angefüllt mit Stimmen aus Lautsprechern in allen Winkeln und Ecken des Raumes: Sprachund Wortfetzen, falsche Aussprache, Korrekturen, Nervositäten. Gleich soll es vorne auf der Bühne um jene «Eliza» gehen, die wir aus George Bernard Shaws «Pygmalion» kennen, wenn nicht eher noch aus dem Musical «My fair Lady». Aus...
