Wahnräume
Woyzeck steht da, alleine, verzweifelt, psychotisch. Die Mauern, die eben noch einen Raum ergaben, fahren um ihn zusammen und umschließen ihn. In den Wänden gibt es viele Türen, viele Wege, doch nun sind alle geschlossen. Woyzeck verschwindet im Kerker. Zuvor hatte er Marie stehen lassen, ihr seine paar Groschen Zulage zukommen lassen, doch sie will eigentlich nicht das Geld, sondern ihn, will seine Zeit. Regisseur Enrico Lübbe und Bühnenbildner Etienne Pluss haben für diesen «Woyzeck» das Wahnsinnige des Protagonisten nach außen gekehrt.
Pluss lässt eine große Wand die Drehbühne zerschneiden, die eine Seite voller Türen, die andere Seite ohne. Lampen an den Türen erwecken den Eindruck einer Straße oder von kafkaesker Bürokratie, denn auch wenn alle Türen offen stünden, so führen sie doch nirgends hin, und Woyzeck ist hier schon von Anbeginn im Kreis seiner eigenen Gedanken gefangen: der ganze Abend nur ein Aufklappen dieser Welt der inneren Zerrüttung und Examinieren der Umstände. Das Hinzuziehen von den beiden Clarus-Gutachten zum psychologischen Zustand des originalen Woyzeck, der in Leipzig 1824 hingerichtet wurde, wird spürbar.
Lübbe entscheidet sich entsprechend gegen die ...
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Theater heute Juli 2024
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Torben Ibs
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