Handlung und Erfolg
Warum hat Tolstoi eigentlich nicht «Krieg» geschrieben, sondern «Krieg und Frieden»? Warum gab es Gandhi, die indische Unabhän -gigkeitsbewegung, Martin Luther King, die Bürgerrechtsbewegung, die Proteste gegen den Vietnam-Krieg, die ’68er Bewegung, die Fridays for Future? Und warum gab es noch keinen dritten oder vierten Weltkrieg? Hängt alles eng miteinander zusammen, aber die Antwort braucht mindestens drei ineinander verschachtelte Erzählebenen und noch ein paar weitere Kleinigkeiten – darunter die Aufhebung der Naturgesetze, das Bundesverteidigungs -ministerium, ein Theater
mit Schauspieler:innen und einiges mehr. Am Ende ist die Antwort auch nur eine Hilfsantwort für eine noch größere Wahrheit. Aber der Reihe nach.
Yael Ronens und Roy Chens «State of Affairs» im Hamburger Thalia Theater fragt nach nicht weniger als der Verantwortung und der Macht von Kunst, speziell Theater. Und zwar in Zeiten globaler Krisen und Konflikte, die nicht gerade nahelegen, dass Bühne und Publikum daran etwas ändern könnten, weshalb die Autor:innen auch etwas verwickelt zur Sache kommen. Ausgangspunkt ist eine Cyber -attacke aufs Theater mit anschließend komplettem Stromausfall, in dessen Folge ...
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Theater heute Juli 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 12
von Franz Wille
In Anita Vulesicas Inszenierung von «Die Gehaltserhöhung» ist das Bühnenbild so hässlich wie das BVG-Design, der örtliche ÖPNV. Okay, es ist nicht Gelb-Schwarz, sondern Orange-Grau, aber sonst gibt es in der Kammer des Deutschen Theaters in Berlin wenig Raffinesse, dafür viel schnöde Funktionalität. Zwei Fahrstühle, ein Geländergang hinter Plexiglas, links und...
Als vor drei Jahren nach langer Pause Emine Sevgi Özdamars vierter Roman «Ein von Schatten begrenzter Raum» erschien, erinnerte das 757-Seiten-Werk daran, dass die deutsche Theatergeschichte der 1970er und 80er Jahre sich auch aus türkisch-deutscher Perspektive erzählen lässt. Die 1946 in der Türkei geborene Schauspielerin war Mitte der 1970er Jahre in der Folge...
Die Protagonistin von «Capri» ist eine Schriftstellerin mit Schreibkrise. Der Verlag wartet auf den neuen Roman, der Vorschuss ist beinahe aufgebraucht, doch sie ist einfach zu erschöpft zum Schreiben. Sie lässt sich medizinisch durchchecken, macht eine Therapie, aber nichts hilft. Dass sie nachts Erscheinungen hat – ein kleines Mädchen sitzt in ihrer Küche und...
