Handlung und Erfolg
Warum hat Tolstoi eigentlich nicht «Krieg» geschrieben, sondern «Krieg und Frieden»? Warum gab es Gandhi, die indische Unabhän -gigkeitsbewegung, Martin Luther King, die Bürgerrechtsbewegung, die Proteste gegen den Vietnam-Krieg, die ’68er Bewegung, die Fridays for Future? Und warum gab es noch keinen dritten oder vierten Weltkrieg? Hängt alles eng miteinander zusammen, aber die Antwort braucht mindestens drei ineinander verschachtelte Erzählebenen und noch ein paar weitere Kleinigkeiten – darunter die Aufhebung der Naturgesetze, das Bundesverteidigungs -ministerium, ein Theater
mit Schauspieler:innen und einiges mehr. Am Ende ist die Antwort auch nur eine Hilfsantwort für eine noch größere Wahrheit. Aber der Reihe nach.
Yael Ronens und Roy Chens «State of Affairs» im Hamburger Thalia Theater fragt nach nicht weniger als der Verantwortung und der Macht von Kunst, speziell Theater. Und zwar in Zeiten globaler Krisen und Konflikte, die nicht gerade nahelegen, dass Bühne und Publikum daran etwas ändern könnten, weshalb die Autor:innen auch etwas verwickelt zur Sache kommen. Ausgangspunkt ist eine Cyber -attacke aufs Theater mit anschließend komplettem Stromausfall, in dessen Folge ...
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Theater heute Juli 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 12
von Franz Wille
Da bricht er durch. Unter Nebel und Getöse wird die rechte Wand des grauen Hotelzimmers umgeworfen, und heraus tritt in martialisch behelmter Kampfmontur Matthias Avemarg als Soldat und zeigt dem ohnehin schon desolaten Ian, gespielt von Maximilian Bendl, wo der Hammer hängt. Im Hintergrund, mit viel Nebel und Gegenlicht, vergewaltigt er ihn erst und reißt ihm dann...
Kurz vor dem Ende werden zwei Darstellerinnen – eine ist die Regisseurin selbst – an Metallhaken an ihrem Rücken emporgehievt. Man hat zuvor auf einem Screen am Bühnenrand gesehen, wie ihnen diese Metallteile in die Rückenhaut eingepflanzt wurden. Zugleich halten sie sich aber an zwei riesigen Donnerblechen fest, die jeweils frontal zu ihnen im Bühnenhimmel...
Neben Heinar Kipphardts «In der Sache J. Robert Oppenheimer» und Rolf Hochhuths «Stellvertreter» war «Die Ermittlung» von Peter Weiss das Aufsehen erregendste Stück des wiederbelebten dokumentarischen Theaters in der BRD der 1960er Jahren. Das «Oratorium in 11 Gesängen» basierte auf Protokollen des ersten Frankfurter Auschwitz-Prozesses von 1963 bis ’65, denen...
