Wahn, Sinn, Form

Saisonstart am Staatsschauspiel Dresden und in Hellerau – Europäisches Zentrum der Künste mit Michael Frayn, Thomas Freyer und Kurt Vonnegut

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«Nothing on» heißt die durch die britische Provinz tourende Sexkomödie samt Sardinenwerbung, deren erster Akt in Michael Frayns Theater-im-Theater-Stück «Noises off», deutsch «Der nackte Wahnsinn», dreimal gezeigt wird: zuerst als Generalprobe, einen Monat später bei einer Ma­tinée und schließlich noch einmal nach zehnwöchiger Tournee, wenn allen das Stück schon so richtig zum Hals raushängt.

Abgesehen davon, dass die Show nie rund läuft, resultiert die Komik aus der Betrachtung des Making-ofs, dem Kontrast zwischen den Zeigenden und dem Gezeigten: Die Produktion krankt, wenn man so will, am menschlichen Faktor.
In Sebastian Hartmanns Dresdner Version, die ein geheimnisvolles «+ X» im Titel trägt, ist von dieser Struktur wenig übrig geblieben. Torsten Ranft, der im klassischen Harlekinkostüm als erster die leere Bühne betritt, springt mitten ins Stück wie beim biblischen Orakel: Finger rein, es gilt der erste Vers! Hier ist es ein Dialog zwischen den Schauspielerinnen Dotty und Poppy, den Ranft rasant aus seinem Körper schält, mal lang gestreckt nach unten schauend, dann wieder halb geduckt nach oben blickend, bevor er zu Gott und von dort zu Lloyd Dallas switcht, dem göttlichen ...

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Theater heute November 2020
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Eva Behrendt

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