Wahn mit Wucht
Egal, wie tief sich eine Aufführung in den Wahnsinn hineinarbeitet, am Ende bleibt bei «Macbeth» doch das Gefühl, dass man den Abgrund, in dem das Stück und das Ehepaar gleichen Namens versinken, verfehlt hat. «Macbeth» gilt als eher einfaches Shakespeare-Drama, vor allem wegen der einspännigen Handlung, trotzdem bleibt da etwas, was das Stück am Ende immer tiefer, abgründiger, irrsinniger erscheinen lässt als die jeweilige Aufführung. So tief kann man auf der Bühne nicht hineinbohren, wie sich der Wahn in die Seelen gefressen hat.
Vielleicht nehmen die besten Macbeth-Arbeiten der neueren Zeit, von Jürgen Gosch oder Karin Henkel etwa, die Schlamm-Blut-und-Gespenster-Tragödie deswegen von der eher coolen Seite. Sie steuern nicht direkt auf den Irrsinn zu, sondern er entsteht gleichsam nebenbei, aus der lässigen Geste. Der Schwerpunkt liegt im Spiel, und der ganze Überschuss des Wahns ist dem Raum der Vorstellung überlassen.
Der kanadische Choreograf Dave St-Pierre, der in Europa bisher vor allem in Frankreich gearbeitet hat und der nun am Schauspiel Frankfurt den «Macbeth» choreografiert und bebildert hat, hält dagegen direkt und – man muss das anerkennen – unbeirrt auf den ...
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Theater heute Juni 2015
Rubrik: Aufführungen, Seite 22
von Peter Michalzik
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