Wachmänner und Putzfrauen
In einem Interview vor der Premiere seiner Adaption von Geschichten aus Clemens Meyers Erzählungsband «Die stillen Trabanten» in den Kammerspielen des Berliner Deutschen Theaters hat Regisseur Armin Petras gesagt: «Ich hasse diese Wikipedia-Autoren, die sich ihre Stücke zusammenrecherchieren. Bei Clemens weißt du, dass das stimmt. Man merkt es an Details.» Und dann liest man die Meyer-Geschichte «Der Spalt» und stolpert über das Wort «Chrystalfreaks». Das steht da nämlich so, gemeint sind wohl aber eher «Crystalfreaks», also Leute, die von der Droge Crystal Meth abhängig sind.
Ein Detail nur, ein Fehler, der den Größten unterlaufen kann (und den Korrektor- und Lektorat hätten finden können), und doch passt der Verschreiber zum Eindruck, den die Lektüre von «Die stillen Trabanten» hinterlassen kann: Dass es da raunt und schwärmt und immer nur so tut, als werde ganz doll reingezoomt in ein Leben, wie es fernab von Feuilleton, Theater oder Buchmessen stattfindet, weil die handelnden Personen Lokführer, Friseurin oder Pfandflaschen sammelnde Zugreinigerin sind.
Schick melancholisch
In Wahrheit kommen einem diese Verlorenheitsrepräsentantinnen vor wie verblichene Filmfiguren, die zu ...
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Theater heute Januar 2019
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Matthias Dell
Neue Stücke
Fritz Kater, entfernt bekannt mit Armin Petras, verarbeitet am Berliner Ensemble Gesagtes und Gelebtes von Heiner Müller zu «heiner 1 – 4». René Pollesch sinniert nebenan im Deutschen Theater über «Black Maria», ein geniales Rennpferd und das erste gebaute Filmstudio anno 1893. In der Schaubühne am Lehniner Platz wiederum inszeniert Marius von...
Also, er habe es ja versucht. Echt jetzt, sagt Andrew Bleichenwang zu seinem Freund Toby Rülps. Er sei mehrmals über die Straße gegangen, aber Arbeit habe er trotzdem nicht gefunden. Welche Straße?, fragt dieser. Ja, hier, gleich vor dem Theater. Aber das sei doch ein Platz!, entrüstet sich Sir Toby. Über eine Straße müsse er gehen, dann sei alles kein Problem.
«J...
Reduktion von Komplexität ist – wie der unvergessene Niklas Luhmann nicht müde wurde zu betonen – ein Überlebensmodus unserer Zeit mit der inhärenten Gefahr, durch unzulässige Vereinfachungen Kurzschlüsse zu produzieren. Auch ein Skizzenformat wie der Marstallplan, in dem das Residenztheater seit ein paar Jahren kurz geprobte, aber anspruchsvoll kuratierte...
