Wachmänner und Putzfrauen
In einem Interview vor der Premiere seiner Adaption von Geschichten aus Clemens Meyers Erzählungsband «Die stillen Trabanten» in den Kammerspielen des Berliner Deutschen Theaters hat Regisseur Armin Petras gesagt: «Ich hasse diese Wikipedia-Autoren, die sich ihre Stücke zusammenrecherchieren. Bei Clemens weißt du, dass das stimmt. Man merkt es an Details.» Und dann liest man die Meyer-Geschichte «Der Spalt» und stolpert über das Wort «Chrystalfreaks». Das steht da nämlich so, gemeint sind wohl aber eher «Crystalfreaks», also Leute, die von der Droge Crystal Meth abhängig sind.
Ein Detail nur, ein Fehler, der den Größten unterlaufen kann (und den Korrektor- und Lektorat hätten finden können), und doch passt der Verschreiber zum Eindruck, den die Lektüre von «Die stillen Trabanten» hinterlassen kann: Dass es da raunt und schwärmt und immer nur so tut, als werde ganz doll reingezoomt in ein Leben, wie es fernab von Feuilleton, Theater oder Buchmessen stattfindet, weil die handelnden Personen Lokführer, Friseurin oder Pfandflaschen sammelnde Zugreinigerin sind.
Schick melancholisch
In Wahrheit kommen einem diese Verlorenheitsrepräsentantinnen vor wie verblichene Filmfiguren, die zu ...
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Theater heute Januar 2019
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Matthias Dell
Wie ein aufgekratztes Showpferd galoppiert der Hypnotiseur herein, seine schwarzgoldgestreifte Weste spannt über dem Bauch. Sie ist, wie so vieles an diesem Abend, ein Zitat: ein Verweis auf einen verlorenen Glanz. Auf den Zauber, der dem namenlosen Hypnotiseur verlorenging. Doch er steht unter Vertrag und muss also weitermachen – oder zumindest so tun als ob. Denn...
later that night
i held an atlas in my lap
ran my fingers across the whole world
and whispered
where does it hurt?
it answered
everywhere
everywhere
everywhere
warsan shire - what they did yesterday afternoon
es setzen über oder übersetzen
eine vertragsarbeiterin, die wieder aufgetaucht ist
ihre mutter, die zurückgekehrt ist
ihre tochter, am flughafen
ein vertragsarbeiter, ein...
Auf den Bühnen von Eimuntas Nekrosius war nie viel Licht – und das entsprach auch seiner Sicht der Dinge. Als der damals 37-jährige litauische Regisseur 1989 zum ersten Mal in Berlin gastierte, war kein Funken Glasnost-Begeisterung zu spüren. Gefragt, was er mit der neuen künstlerischen Freiheit anzufangen gedächte, meinte er lapidar: «Es ist wie mit...
