Wachmänner und Putzfrauen
In einem Interview vor der Premiere seiner Adaption von Geschichten aus Clemens Meyers Erzählungsband «Die stillen Trabanten» in den Kammerspielen des Berliner Deutschen Theaters hat Regisseur Armin Petras gesagt: «Ich hasse diese Wikipedia-Autoren, die sich ihre Stücke zusammenrecherchieren. Bei Clemens weißt du, dass das stimmt. Man merkt es an Details.» Und dann liest man die Meyer-Geschichte «Der Spalt» und stolpert über das Wort «Chrystalfreaks». Das steht da nämlich so, gemeint sind wohl aber eher «Crystalfreaks», also Leute, die von der Droge Crystal Meth abhängig sind.
Ein Detail nur, ein Fehler, der den Größten unterlaufen kann (und den Korrektor- und Lektorat hätten finden können), und doch passt der Verschreiber zum Eindruck, den die Lektüre von «Die stillen Trabanten» hinterlassen kann: Dass es da raunt und schwärmt und immer nur so tut, als werde ganz doll reingezoomt in ein Leben, wie es fernab von Feuilleton, Theater oder Buchmessen stattfindet, weil die handelnden Personen Lokführer, Friseurin oder Pfandflaschen sammelnde Zugreinigerin sind.
Schick melancholisch
In Wahrheit kommen einem diese Verlorenheitsrepräsentantinnen vor wie verblichene Filmfiguren, die zu ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Januar 2019
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Matthias Dell
Kein Wunder, dass die Landvermesserin aus Thomas Köcks Stück «dritte republik» sich fragt, warum sie nicht einfach in ihrem Bett liegengeblieben ist, statt diesen «hanebüchenen Auftrag» anzunehmen. Sie soll die Landesgrenzen neu vermessen. Aber das Schneegestöber, das ihr ohne Unterlass ins Gesicht bläst und das sie bald als «beschissensten aller Jahrhundertstürme»...
Der kleine orange-graue Vulkan hinten rechts hätte Warnung genug sein können. Aber kaum einer hat die Rauchzeichen beachtet, die er beim Einlass in Kringeln und Schwaden ausgestoßen hat, und keiner konnte sie deuten. Dabei wäre es so einfach gewesen: Es hieß «Vorsicht Dampfplauderer!» Derart unverstanden kann der Vulkan nur mehr als Ruhepol des Abends punkten,...
Neue Stücke
Fritz Kater, entfernt bekannt mit Armin Petras, verarbeitet am Berliner Ensemble Gesagtes und Gelebtes von Heiner Müller zu «heiner 1 – 4». René Pollesch sinniert nebenan im Deutschen Theater über «Black Maria», ein geniales Rennpferd und das erste gebaute Filmstudio anno 1893. In der Schaubühne am Lehniner Platz wiederum inszeniert Marius von...
