Nachruf: Eine Frage der Existenz
Auf den Bühnen von Eimuntas Nekrosius war nie viel Licht – und das entsprach auch seiner Sicht der Dinge. Als der damals 37-jährige litauische Regisseur 1989 zum ersten Mal in Berlin gastierte, war kein Funken Glasnost-Begeisterung zu spüren. Gefragt, was er mit der neuen künstlerischen Freiheit anzufangen gedächte, meinte er lapidar: «Es ist wie mit Kanarienvögeln, die lange im Käfig gehalten wurden. Die können nicht mehr fliegen, auch wenn man sie frei lässt.
»
Seine Inszenierungen waren Tragödien des Stillstands und der Ausweglosigkeit, in der die jüngeren Leute von despotischen Altvorderen um ihre Zukunft gebracht wurden («Hamlet», 1998), in denen der Stumpfsinn Kapriolen schlug («Onkel Wanja», 1986), in denen die Liebe ein Schlachtfeld dumpfer Reflexe war («Drei Schwestern», 1996). Nekrosius hatte eigentlich keine Lust, im Ausland zu inszenieren – «Für die Amerikaner war die Begegnung mit Litauen wahrscheinlich so ähnlich, als wenn ich mir einen Dokumentarfilm über unterentwickelte Gegenden in Afrika ansehe» –, trotzdem war er einer der Hauptkulturexportartikel seines Heimatlands.
Was sollte er auch tun? Seine Arbeiten und die seiner Compagnie «Meno Fortas» ließen sich die ...
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Theater heute Januar 2019
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Franz Wille
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